Wasser, Luft raus und Saaaaaaand

Zuerst das versprochene Kakadu-Update: leider ist es dem Tierflüsterer Chrissie nicht gelungen, den Kakadu auf seinem Kopf landen zu lassen. Dafür haben er und seine Kollegen stattdessen unser Zelt voll gesch… Naja.

Seither ging es aufwärts und die letzten Tage gehören definitiv zu den Highlights unserer gesamten Reise. Von Airlie Beach aus sind wir auf einen dreitägigen Segeltörn durch die Whitsundays gegangen.8-Segeltrip-Whitsundays-(65)Mit an Bord der „Pacific Blitz“, einer 15 Meter langen Segelyacht  waren neben Kapitän Ben und Deckie/Smutje Kim noch 6 weitere Gäste. Zwei Amerikanerinnen, zwei Österreicherinnen und ein englisches Pärchen, das gerade nach Australien ausgewandert ist. Der einzige echte Aussie an Bord war also unser Skipper.8-Segeltrip-Whitsundays-(3)Wir beide als Cruise-Greenhorns (die letzten Beiträge haben es gezeigt, bei Staub, Schotter, Schlamm und Flussdurchquerungen sind wir Profis) sind vor Beginn des Trips einkaufen gegangen. Haben wir doch gelesen, dass man genügend Getränke einkaufen sollte. Insbesondere in Sachen Alkohol hat Tripadvisor uns verraten, dass man beim Einkauf die Menge, die man im Korb hat direkt verdoppeln solle, dann wär’s genug. Haben wir also so gemacht um nicht irgendwo im Pazifik verdursten zu müssen und standen deshalb von Anfang an unter Party- und Alkoholikerverdacht.
Die gesamte Truppe war von Anfang an auch nüchtern super gelaunt und alle haben sich sofort gut verstanden. 8-Segeltrip-Whitsundays-(59)Nachdem Chrissie schon bei der Vorstellungsrunde von Skipper Ben nach seinen exzessiven Detailfragen zum Segeln im Allgemeinen und dem Boot im Besonderen verdächtigt wurde, eine Meuterei zu planen hat er auf offener See dann zugeschlagen. Man beachte rechts im Bild den Skipper, kurz bevor er von den Mit-Meuterern über Bord geworfen wurde.
Okay, es war in Wirklichkeit “etwas” anders. Und wer genau hinschaut sieht sogar, dass das Wort Captain auf Chrissies Mütze falsch geschrieben ist ;-) 8-Segeltrip-Whitsundays-(15)Die Whitsundays sind eine wilde Kreuzung aus Südsee und Schwarzwald, so seltsam das auch klingen mag. Heraus kommt türkisblaues, klares Wasser, weisse Sandstrände und auf der Insel ziemlich nadeliges Gestrüpp und Bäume, die wir eher nicht im Südpazifik vermutet hätten.
Auf alle Fälle ist das Ergebnis wunderwunderschön. Und ein tolles Segel- und Schnorchelrevier. Wir hatten sogar anständigen Wind und Ben hat es genossen, das Boot ordentlich schräg zu legen und die Landratten ein bisschen zum Kreischen zu bringen. 8-Segeltrip-Whitsundays-(49)Leider ist hier im Moment Saison für die gefährlichen Quallen, das heisst man kann nur mit einem „Stinger Suit“ oder einem Neoprenanzug ins Wasser. 8-Segeltrip-Whitsundays-(44)Vor einer kleinen, wirklich ziemlich einsamen Insel hat Ben uns zu einem tollen Korallenriff gesegelt – mein bisher bester Schnorchelgang (auch wenn Chrisse natürlich immer noch alles pillepalle findet gegenüber dem Roten Meer…). Bunte Korallen und viele Fische – nur Nemo hat sich weiter versteckt gehalten.8-Segeltrip-Whitsundays-(46)Die weissen Sandstrände hier sind aus so feinem Sand, dass er unter den Füssen geknirscht hat wie frisch gefallener Schnee. Haben wir so auch noch nie erlebt.8-Segeltrip-Whitsundays-(17)8-Segeltrip-Whitsundays-(22)Unser Skipper Ben hat den ganzen Tag eine Schleppleine hinter dem Boot hergezogen und an Tag zwei einen ziemlich grossen Thunfisch gefangen! Die Blutrünstigen durften alle mal halten, wir anderen haben vor allem das Thunfisch-Tartar am Abend in vollen Zügen genossen.8-Segeltrip-Whitsundays-(35)Natürlich hatten wir auch einen kleinen Leo-und-Kate-Moment an Bord. Unser Budget hat aber nicht für einen längeren Kameraarm gereicht, deshalb mit im Bild auch die Assistentin Kim ;-) 8 Segeltrip Whitsundays (28)8-Segeltrip-Whitsundays-(6)8-Segeltrip-Whitsundays-(1)8-Segeltrip-Whitsundays-(58)Abends sind wir jeweils in kleinen Buchten vor Anker gegangen, haben der Sonne beim Untergehen zugeschaut, auf den gelungenen Tag angestossen und später die Millionen von Sternen am Himmel bewundert.8-Segeltrip-Whitsundays-(38)Einige der anderen Gäste sehen wir im Dezember an unserem allerletzten Abend in Sydney nochmal wieder. Wir treffen zum Taco Tuesday im Norfolk Hotel nämlich alle Leute wieder, die wir unterwegs kennengelernt haben und die in der Nähe von Sydney wohnen.
Zurück an Land hat sich besonders für Chrissie der Boden noch einige Stunden weiter bewegt. Nach ein paar Bierchen auf Kapitän Bens Terrasse und einem gemeinsamen Barbecue hatten wir aber wieder festen Grund unter den Füssen!

Nach so viel Wasser haben wir beschlossen uns den Eungella Nationalpark anzuschauen, der abseits der Küste im Hinterland liegt. Dieser Abstecher hat sich allerdings nicht wirklich gelohnt, deshalb gibt’s hier auch kein Foto. Es war dort einfach nur heiss, staubig und furztrocken… Danach haben wir beschlossen, dass wir ab jetzt die Küste nicht mehr länger als nötig verlassen werden.9 Mackay (15)In Mackay konnten wir dann wieder mit Meeresrauschen campen und am Strand spazieren gehen. 9 Mackay (12)Am Morgen sind wir aus unserem Dachzelt gestiegen und hatten einen Platten! Mitten auf dem Campingplatz. Nicht etwa auf einem aufregenden, steinigen Track oder wenigestens auf einer Schotterstrasse – nixda, wir haben uns an einer Betonkante auf dem Campingplatz den Reifen gekillt. 9-Mackay-(7)Chrissie hat’s mit Humor genommen und endlich mal den Wagenheber ausprobieren können.
Für alle Reifeninteressierte hier ein wunderschönes Beispiel eines 4×4 Reifens, der den australischen Strassenanforderungen nicht gewachsen ist. Nach 7’000 km über Schotter haben sie vorzeitig das Zeitliche gesegnet und mussten ersetzt werden.9-Mackay-(20)Damit Chrissie den Wagenheber nicht nochmal auspacken muss, haben wir uns entschieden auf unkaputtbare Lastwagenreifen umzusteigen. Die sind zwar etwas laut, aber halten dafür bestimmt länger!9-Mackay-(19)

Unsere letzten verbleibenden Campingtage verbringen wir nun oft relativ faul. Ich lese viel, Chrissie kuckt Löcher in die Luft und dazwischen freuen wir uns einfach des Lebens. Gibt ja jeden Tag genügend Gründe dafür! 9 Mackay (14)Seit unseren ersten Campingtagen hat sich zwischen uns stillschweigend eine perfekte Aufgabenteilung eingespielt. Und wenn wir morgens zusammenpacken, geht das heute in gefühlt doppelter Geschwindigkeit als am Anfang. 9 Mackay (18)Chrissie ist fürs Zusammenpacken des Zelts zuständig und vor ein paar Tagen konnte er gerade noch einen blinden Passagier an der Mitreise hindern. Aaaaaahhhh. Mein Held!

Nach Mackay hat sich Queensland von seiner öden und langweiligen Seite gezeigt. Die Strasse führt Hunderte von Kilometern mehr oder weniger einfach geradeaus und rechts und links findet nichts statt. Aber der Weg hat sich gelohnt! Chrissie hatte in einem Offroad-Heftli (von denen er jetzt mehrere hat) vom Byfield Nationalpark gelesen, von dem wir bis dahin noch nichts gehört hatten. Ein bisschen Googeln und schon wussten wir, da müssen wir hin!
In Yeppoon haben wir nochmal Vorräte gekauft und sind dann ins Visitor Center, um die Campgrounds zu buchen. Die nette junge Damen vom Visitor Center fragte dann, was für ein Fahrzeug wir hätten und ob wir Offroaderfahrung mit sehr weichem und tiefem Sand hätten, denn mitten im Park sei eine grosse Sanddüne namens “Big-Sandy”, die nicht jeder bezwingen könne. Und sie war wirklich “Big”!
So sind  wir dann in den Nationalpark aufgebrochen. Zuerst ist das eine relativ waldige Angelegenheit und noch für normale Autos machbar. Da wir unter der Woche dort waren, war ausser uns praktisch niemand unterwegs, herrlich. Der erste Campground war mitten im Wald und superfriedlich.10-Byfield-NP-(3)Am nächsten Morgen haben wir uns dann für „Big Sandy“ parat gemacht. Die Hauptattraktion im Byfield ist ja nicht der Wald sondern eben dieses riesiges Dünengebiet dahinter. Dort geht es nur mit dem 4×4 durch und Offroad-Chrissie war wieder in seinem Element! Weil es hier seit Monaten nicht geregnet hat, ist der Sand so weich wie Talkumpuder. Als wir aus dem Auto gestiegen sind, wussten wir, was genau damit gemeint war.10-Byfield-NP-(4)Big Sandy” ist eine sehr, sehr grosse und sehr, sehr langgezogene Sanddüne, die eben aus diesem Puderzuckersand besteht. Beim Fahren auf Sand gilt, je weicher der Sand, desto weniger Luftdruck. So ging die Wette los. Wird Offroad-Chrissie die Sanddüne beim ersten Anlauf bezwingen? Unten an der Düne hat er den Luftdruck in allen vier Rädern auf 1 bar reduziert (so tief wie nie zuvor), Untersetzungsgetriebe rein, langsam anfahren und schön langsam im Drehmoment die Düne rauf und stetig etwas Kohle nachlegen. Aber die Fahrt war dann auch schon nach 20 Meter zu Ende. Festgefahren. Wette verloren.
Also musste noch mehr Luft aus den Reifen! Im 2. Anlauf bei 0.6 bar Reifendruck (bei ca. 3.3 Tonnen Gewicht!) ist dann Idefix ganz schön holprig die Düne hochgekraxelt.10-Byfield-NP-(6)Wir waren heilfroh, dass uns auf dem Weg nach oben niemand entgegen gekommen ist, mit Anhalten ist da nämlich nix, sonst steckste drin im Sand und alles geht nochmal von vorne los. Die Anstrengungen haben sich aber mehr als gelohnt – belohnt wurden wir nach weiterer Fahrt durch die sandigen Dünen mit dem menschenleeren „Nine Mile Beach“. 10 Byfield NP (50)10-Byfield-NP-(47)10-Byfield-NP-(45)Dort musste Chrissie erstmal wieder etwas Luft in die Reifen lassen, 0.6 bar sind wirklich nur für die Steigung und den extrem weichen Sand dort gut, schneller als 20km/h kann man damit nicht fahren.10-Byfield-NP-(10)10-Byfield-NP-(7)Die kleinen runden Kügelchen unter Idefix sind übrigens das Produkt von Tausenden von kleinen Krebsen, die während der Ebbe aus dem Sand gekrabbelt kommen und wie die Verrückten diese Kügelchen rollen. Der ganze Strand ist damit übersät. Wir fragen uns immer, ob diese kleinen Kerlchen nicht fürchterlich frustriert sind, weil sie täglich zweimal tonnenweise Kügelchen rollen, dann kommt die Flut und alles ist wieder futsch. Schön gemein. 10 Byfield NP (25)Der Strand an sich war schon toll, noch besser wurde es dann aber am Stockyard Point. Das ist ein Aussichtspunkt, von dem aus man den Nine Mile Beach auf der einen und auf der anderen Seite die Five Rocks Felsformation mit dazugehörigem Strand sehen kann. 10 Byfield NP (39)10 Byfield NP (24)Es war einfach nur atemberaubend schön dort. Es gibt auch ein kleines Dörfchen oben auf der Düne – wie die Materialien für die Häuser allerdings da hingekommen sind, ist für uns immer noch ziemlich rätselhaft. Wir waren froh, Idefix mitsamt unserem ganzen Campingkram und uns dort hin zu bugsieren ;-) 10-Byfield-NP-(56)Am nächsten Tag habe ich mich dann auch mal wieder ans Offroad-Steuer gewagt und habe tatsächlich Gefallen gefunden am „Sändele“! Wer hätte das gedacht. Flussdurchquerungen und Schlamm sind nicht so meins, aber auf Sand werd ich munter.10-Byfield-NP-(18)

Nach diesem absoluten Highlight haben wir heute einen arbeitsreichen Tag mit Wäschewaschen und Autoaufmöbeln hinter uns, denn morgen schaut sich ein erster Interessent unseren Idi an. Ich könnte jetzt schon weinen, wenn ich dran denke, dass wir ihn bald definitiv wieder hergeben müssen…
Wenn einer von euch übernehmen will, hier geht’s zu unserem Inserat.

Weiter geht es nun immer in Richtung Süden. Erste Station wird Rockhampton sein und dort ein Steakouse, denn Rockhampton ist wohl das Rindermekka Australiens. Mmmmhhh!

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