Und weiter geht’s über die Buckelpiste (Bonus: Palmenstrand und Hängematte!)

Vielen Dank zunächst mal für die grosse Anteilnahme an meinem harten Schicksal – ich sag nur Old Telegraph Track… Ich kann aber alle beruhigen, ich habe mich bestens erholt und fand es so im Rückblick und mit etwas Abstand eigentlich sogar ganz lustig.

Nach überstandener Rüttelei und Tauchfahrt sind wir mit all unseren Zufalls-Reisegefährten gemeinsam ans Cape York gefahren und haben uns erst einmal ein paar Tage erholt. Dort ganz im Norden von Australien gibt es viele Campingplätze direkt am Strand, herrlich! Leider kann man im türkisblauen Meer überhaupt nicht baden, weil es hier fiese Salzwasserkrokodile gibt. Und denen muss ich also jetzt nicht unbedingt von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten…DSC04419Auf diesem hübschen Foto sieht man Offroad-Chrissie übrigens gerade beim Mittagsschlaf… Unsere sämtlichen Versuche, einen Tag mit annähernd sauberen Fusssohlen zu überstehen, sind bisher gescheitert. Deshalb schrubben wir nur abends vorm Schlafengehen ordentlich, dazwischen müssen die kohlschwarzen Dinger halt aus dem Zelt baumeln.

Natürlich haben wir auch einen Ausflug zum „Tip“ unternommen, das ist der nördlichste Punkt des australischen Festlands – hier als Suchbild „finde das Schild“.DSC04389DSC04385

Egal wo wir am Cape York hingekommen sind, überall hatte sich unter den Campern schon herumgespochen, wie dieser Depp sein Auto im „Nolan’s Creek“ hat absaufen lassen (siehe letzter Beitrag) und vor allem, dass es darüber doch so einen coolen Film gibt… Wirklich witzig, wie schnell sich sowas rumspricht. Chrissie hat sich natürlich sehr gern als Regisseur geoutet und überreden lassen, den Film in diversen Camingplatz-Spezialvorführungen zu präsentieren. Schliesslich haben wir lediglich versprochen, ihn nicht auf YouTube zu stellen – von Live-Vorführungen war nicht die Rede ;-)

Offroad-Chrissie war nach einigen Tagen Ausspannen so relaxt, dass er erstmal das arme Auto wieder in richtig klebrigem Schlamm festfahren musste.DSC04391Natürlich mitten im Wald, wir waren allein unterwegs und die Sonne schon fast untergegangen… Die Freude war nicht ganz so meinerseits, aber Offroad-Chrissie war wieder voll im Action-Modus. Ich durfte im Auto sitzen bleiben um evtl. vorbeikommende Auto anzuhalten, Chrissie ist los marschiert, um Hilfe zu holen. Wir hatten wirklich unverschämtes Glück: trotz der späten Stunde kamen zwei Aussies vorbei und waren natürlich Feuer und Flamme dafür, uns Touris aus dem Schlamm zu zerren.DSC04400Die beiden hatten sich das ganz easy vorgestellt. Der Schlamm war aber völlig an unserem Auto festgesogen – das erste Auto, mit dem sie’s probiert haben, hat ausser dass es wie ein wilder Bulle rumgehüpft ist gar nichts bewegt.DSC04393Daraufhin sind sie losgezogen, ein stärkeres Auto mit Seilwinde besorgen. Inzwischen war’s also wirklich dunkel und die Rettungsaktion war anfangs auch mit Auto Nummer 2 komplett erfolglos, statt den Idefix aus dem Schlamm zu ziehen, hat sich das andere Auto selbst in den Schlamm gezogen, da Idefix keinen Wank machte.DSC04409Am Ende haben sie ihr Auto an einem Baum festgebunden damit es nicht weiter in den Schlamm gezogen wird, und uns dann mit der Winde in mühseliger Arbeit, kurz bevor die Winde in Rauch aufgegangen ist, rausgezogen. Chrissie fand’s unterhaltsam, die Aussies auch („it’s all part of the fun!!!“) – nur ich hab diesen Teil des Offroad-Spasses irgendwie noch immer nicht ganz begriffen.

Aber sei’s drum, seither musste niemand uns mehr irgendwo befreien!DSC04439

Am Cape York gibt es tolle Landschaften zu sehen. In der Nähe von Somerset konnten wir direkt über Strand und Dünen einen Track fahren, der uns schwer an Hawaii erinnert hat – schwarze Lava, Palmen und dazu ein richtig heftiger Wind.DSC04369DSC04375

DSC04426Vom Tip aus haben wir uns über diverse Beach-Camgrounds wieder in Richtung Süden gearbeitet. Meistens ist man auf diesen Campgrounds zwar nicht völlig allein, es verirren sich aber wirklich nur ein paar eingefleischte Offroader dorthin, ziemlich paradiesisch also.

DSC04430Ein besonderes Erlebnis war es, als eines Abends eine grosse Schildkröte aus dem Meer auf den Strand kam, um dort Eier zu legen. Wir konnten aus allernächster Nähe zuschauen, wie die Schildkröte erst mühsam ein tiefes Loch gegraben hat und dann später Eier dort gelegt und wieder zugeschaufelt hat. Die Schildkröte hat sich durch uns nicht stören lassen und wir sassen ganz still zwei Stunden daneben und haben gestaunt :-)

DSC04435Der sogenannte Frenchman’s Track hat uns 30 Kilometer in ziemlicher Einsamkeit durch den Wald geführt. Feldweg wäre auch hier eher die passende Bezeichnung gewesen… Ein paar Motorradfahrer, die uns unterwegs begegnet sind, haben uns dann den Tipp gegeben, so in etwa 10 Kilometern am blauen Ölfass rechts abzubiegen, das sei eine super Alternativroute mit einer einfacheren Flussdurchquerung. Das sind hier tatsächlich die Wegmarkierungen – die Aussies halten von Schildern jeglicher Art prinzipiell nix, auf den Tracks aber ist so gar nichts beschildert. Orientieren wir uns also am Ölfass! (Hat super geklappt!)DSC04437

„Chili Beach“ ist ein Campground, der direkt an einem wunderschönen Palmenstrand liegt – einfach Hängematte zwischen zwei Palmen hängen und aufs Meer starren, herrlich! DSC04459Dort am Chili Beach haben wir auch Brett und Chloe wieder getroffen, zwei Australier, die mit ihrem perfekt aufgemotzten „Monster“ Land Cruiser durch ihr Land touren und die wir auf dem Old Telegraph Track schon kennengelernt haben – besser bekannt ist Brett übrigens unter dem Namen „Rastaman“, den Chrissie ihm dank seiner Dreadlocks verpasst hat. Inzwischen nennt ihn sogar seine Freundin manchmal so und die Leute oben am Cape auch. Rastaman ist auf jeden Fall ein richtiger Offroad-Profi und Chrissie hat endlich einen qualifizierten Gesprächspartner. Die beiden mussten dann auch direkt am Strand zeigen, was ihre Autos nicht so alles können.DSC04468Man kann das Auto z.B. mitsamt der krähenden Freundin im 30-Grad-Winkel auf einem grossen Stein parken. Auf meine Frage hin, warum wir das genau machen, bekam ich von Chrissie folgende Antwort, die seitdem oft zitiert wird: „because we can“. Aha. Deswegen also!DSC04455Nebenbei haben die beiden Herren auch noch hochprofessionell mit der Axt Kokosnüsse für uns geöffnet und uns dann ganz Gentleman das feine Kokoswasser überlassen.

GOPR0423DSC04480DSC04486Durch den ziemlich langweiligen (ja, wir sind verwöhnt!) Lakefield Nationalpark sind wir dann in der Nähe von Cooktown am wunderschönen Elim Beach gelandet – so nah am Wasser haben wir noch nie gecampt. Und dort in der Hängematte war’s also besonders schön… Und nachts mit dem Geräusch der Wellen einzuschlafen ist unbezahlbar.IMG_4003DSC04512IMG_4016

Offroad-Chrissie hat natürlich auch dort wieder ein paar Tracks gefunden, die unbedingt bezwungen werden wollten. Nur dank seiner Abenteuerlust sind wir auch auf eine Art Klippe gelangt, von der aus wir einen Wahnsinnsblick hatten. Oben auf dem kleinen Plateau zu wenden, war eine andere Story, aber es haben ja alle heil überstanden!DSC04496DSC04500

GOPR0412In Cooktown selbst ist uns dann vor lauter Sturm nachts fast das Dachzelt um die Ohren geflogen – jedenfalls hat es sich so angehört… Dank ein paar Gläsern Wein in der örtlichen Pizzeria haben wir aber doch ein bisschen schlafen können. Am nächsten Morgen sind uns wieder Rastaman und Chloe zufällig begegnet und wir haben uns verabredet den CREB-Track zusammen zu fahren.DSC04526Der ist ähnlich anspruchsvoll wie der Old Telegraph Track, nur liegt der Reiz hier nicht im vielen Wasser, das durchquert werden muss sondern in den enorm steilen Steigungen, die es zu bezwingen gilt.GOPR0448Der Weg führt durch tiefsten Regenwald und auf Serpentinen haben die Aussies grosszügig verzichtet. Wozu auch, wenn man auch einfach schnurgerade den Berg hochfahren kann?

Wir haben insgesamt eineinhalb Tage für die circa 70 Kilometer gebraucht und Idefix ist trotz Untersetzungsgetriebe ziemlich an den Anschlag gekommen, es ist aber immer wieder beeindruckend, welche Steigungen und „Strassen“ mit einem Offroader gefahren werden können, wenn ein Neu-Profi wie Offroad-Chrissie am Steuer ist! Bis auf eine Extremsteigung, die wir dreimal versuchten haben zu bezwingen – und um die es zum Glück eine etwas weniger steile Umfahrung gab – haben Offroad-Chrissie und Idefix das wunderbar zusammen gemeistert. DSC04536Und ich hab es ohne Kreischen geschafft und es sogar manchmal genossen… Vielleicht wird das ja doch noch was mit mir und dem Offroaden!GOPR0462Als wir am anderen Ende wieder aus dem Track raus kamen, stand dort ein fettes Schild „Road Closed“ – hm, blöd nur, wenn man das Schild nur an einem Ende aufstellt… Aber egal, wir sind wunderbar durchgekommen!

GOPR0426GOPR0422Jetzt sind wir im wunderschönen Daintree Nationalpark und geniessen das viele Grün, Palmen, das Meer und auch einen Hauch Zivilisation. Dieser Teil von Australien gefällt uns bisher am allerbesten, weil im Gegensatz zu so vielen anderen Gegenden eben die Farbe Grün eine tragende Rolle spielt und nicht der allgegenwärtige Staub!GOPR0436So, wir müssen dann mal los, Strandspaziergang… ;-) DSC04444

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2 Gedanken zu “Und weiter geht’s über die Buckelpiste (Bonus: Palmenstrand und Hängematte!)

  1. Hallo Julia,
    Ihr macht das super! Kompliment. Chilli Beach — keine Mücken?!!! Ich bekomme Fernweh, wenn ich Eure Berichte lese.
    Grüsse aus der verregneten Schweiz, schon wieder!
    Brigitte

    • Liebe Brigitte
      Nein, mückenfreie Zone am Chili Beach! Danke dir sehr für deine rege Anteilnahme :-)
      Sonnige Grüsse aus Port Douglas
      Julia

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