Exklusives Interview: Der Old Telegraph Track am Cape York!

Die letzten 7 Tage haben unsere beiden Protagonisten, Offroad-Chrissie und Julia auf dem legendären Old Telegraph Track (OTT) am Cape York verbracht. Fernweg.ch hat die beiden am Ende dieser anspruchsvollen Tour interviewt. Die ganze Wahrheit über diesen Trip jetzt hier im Exklusivinterview!

Fernweg.ch: Ihr beiden seid gerade den sagenumwobenen OTT gefahren. Wie war’s?

Offroad-Chrissie: Es war der absolute Hammer!!! Ich hab ja seit Jahren davon geträumt, diese Strecke mal selbst zu fahren und jetzt ist es endlich wahr geworden… Ich bin noch ganz geflasht!!DSC05524
Julia: Ich bin hauptsächlich froh, dass es vorbei ist! Also es gab schon ganz hübsche Orte, die wir gesehen haben. Zum Beispiel die Fruit Bat Falls oder die Twin Falls. Aber: insgesamt mussten wir 16 für mein Nervenkostüm schwer auszuhaltende Flüsse durchqueren und ich dachte mehr als einmal, dass es das jetzt dann war mit unserer Reise…

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F: Moment, das klingt ja, als hättet ihr zwei verschiedene Touren gemacht! Das müssen wir näher wissen. Christoph, was genau war denn so toll?

O-C: Ja, wo soll ich da anfangen… Der OTT wird nur von wenigen Leuten tatsächlich gefahren, weil es wirklich eine schwierige Strecke ist, die nur per Allradfahrzeug zu bewältigen ist. Und ich hab mich gefreut, jetzt, wo ich mit Idefix schon ganz gut vertraut bin, das selbst zu fahren. Die Strecke führt auf über 100 Kilometern mehr oder weniger einspurig durch den Wald und wurde 1887 angelegt, als die erste Telegrafenleitung ans Cape York gezogen wurde. Es ist wirklich mehr ein Track als im herkömmlichen Sinn eine Strasse.DSC06192
J (mit leicht panischer Stimme): Es ist ein verdammter Feldweg, voll mit Löchern, ausgewaschenen Stellen und praktisch unpassierbar steilen Abhängen und tiefen Flüssen!!!DSC04260_CapeYork
O-C: Ach so ein Quatsch, sie übertreibt masslos… Fakt ist einfach, dass sie die ängstlichste und grundlos panischste Beifahrerin für einen echten Offroader wie mich ist!
(J. funkelt O-C wütend an)
O-C: Also, der Reiz liegt genau da, wo Julia die Probleme sieht. Das Auto muss ziemlich oft durch kleine Flüsse. Manche sind sehr tief, andere eher flach, haben dafür viele tiefe Löcher im steinigen Flussbett, bei anderen muss man richtig steil am Ufer des Flusses runterfahren… Dazu kommt, dass wir ja nicht allein waren.DSC06312
J: Stimmt, zum Glück waren wir insgesamt mit vier Autos unterwegs, eins davon wieder das von Nicky und Roy, ausserdem noch zwei australische Pärchen mit ihren 4×4-Gefährten. Vor allem die anderen Frauen hatten wenigstens Verständnis für mich und haben sich angesichts grauenhaft steiler, löchriger Abhänge und supertiefer Flüsse auch gefragt, wo genau eigentlich der Spassfaktor hier liegt. Ich meine, ein Auto ist kein Boot und auch kein Klettergerät, oder???DSC06224
O-C: Also echt, ich hab doch den Idefix unfallfrei und supereasy überall runter und durch gebracht. Und ein echter 4×4-Instruktor hat mir sogar bestätigt, dass ich’s echt drauf hab mit dem Offroaden!DSC04256_CapeYork

F: Puh, das klingt ja spannend und hat sicher auch auf der Strecke zu einigen Diskussionen geführt, oder?

J: Ja, allerdings. Keine Angst, wir lieben uns immer noch heiss und innig, aber zwischendurch hatte ich also schon Fluchtreflexe. Ich meine, es gibt eine wunderbare, breite und vor allem regelmässig gewartete Strecke hoch zum Cape, warum genau müssen wir dann über diese Rumpelpiste hoppeln und unser Auto aufs Spiel setzen??? Irgendwie fehlt mir glaub das Offroad-Gen.
O-C: Ganz am Anfang, gleich an der ersten Flussüberquerung hat Julia direkt angefangen zu zetern, dass das nicht machbar ist etc. Sie hat dann zwar gesehen, dass es sehr wohl ging, war aber immer noch nicht von meinen Fahrkünsten überzeugt. Im weiteren Verlauf der Strecke wurde sie zwar routinierter im Umgang mit ihrer Panik, hat aber trotzdem vor jedem anspruchsvollen Stück das Gesicht verzogen… Aber sie hat mich immerhin machen lassen!DSC04251_CapeYorkDSC04287

F: Okay, das heisst, am Ende habt ihr alle Flüsse und Wasserlöcher unfallfrei durchquert?DSC04262_CapeYork

O-C: Fast! Den berüchtigten “Gunshot-Creek” hat niemand aus unserer Gruppe gemacht. Wer nicht versteht warum, soll das mal bei YouTube eingeben… Da wurde es mir also auch anders beim Anblick dieser steilen Abfahrt und dem Schlamm unten… Sind wir also aussenrum gefahren. Ja und leider durfte (!) ich auch den letzten Creek – “Nolan’s Brook” – nicht machen. Julia ist da echt geflippt. Sah auf den ersten Blick gar nicht schlimm aus, es hatten uns aber wirklich alle auf der Strecke davor gewarnt!
J: Ja, aus gutem Grund! Dieses Jahr sind bereits 45 Autos dort abgesoffen – Totalschaden!!!
O-C: Jaaaaa, aber die hatten’s ja auch nicht drauf! Ich hätte das easy geschafft!
J: Man muss sich das so vorstellen: Das ist ein Fluss, der an sich sehr harmlos aussieht. Leider ist das fiese Ding aber an einigen Stellen sautief – so etwa bis Brusthöhe!!! – und hat als zusätzliches Feature auch noch ganz weichen Sand am Grund. Es gibt also gleich mehrere Möglichkeiten, sein Auto dort zu versenken, am beliebtesten sind: das Auto fängt an zu Schwimmen oder man fährt sich im Sand fest. Und in beiden Varianten säuft dann im wahrsten Sinne des Wortes irgendwann der Motor ab. Also meistens schweigt er dann für immer…P1070163

F: Uhi, das klingt ja wirklich gefährlich! Und da wolltest du durch, Christoph?

O-C: Klar – man muss nur wissen wie! Reifendruck reduzieren, Motorhaube mit einer Plane schützen und dann schön langsam an genau der richtigen Stelle durchfahren. So wie Roy und Doug aus unserer Gruppe auch!
J: Möglich, aber mir war das Risiko einfach zu gross! Das einzig dumme war, dass wir, weil ich ja da nicht durch wollte, wieder umdrehen mussten und die letzten 4 Flüsse nochmal umgekehrt durchqueren mussten, bis wir auf eine Ausweichstrasse gekommen sind. Zum Glück haben uns zwei eingefleischte australische Offroader begleitet. Denn an zwei Stellen mussten sie uns mit dem Abschleppseil hochziehen, weil wir das allein in dieser Richtung nie geschafft hätten. Und an einer Stelle musste sich der eine von beiden erst mit einer elektrischen Winde selbst an einem Baum hochziehen!!DSC04316IMG_3890DSC04322
O-C: Das war doch voll cool! Also nüchtern betrachtet war der Weg zurück viel schwieriger als einfach durch den letzten Creek durchzufahren gewesen wäre, gell Julia?!?
J: …. hm.
O-C: Das heisst ja.
J: Okay, ja…DSC04325
O-C: Naja, so hatte ich einfach 4 extra Flussüberquerungen, die ich sonst ja nicht gehabt hätte. Auch nicht übel. Wir sind dann aber später zu den anderen gestossen, die am gegenüberliegenden Flussufer schonmal das Camp aufgeschlagen hatten und stehen seither an diesem berühmten letzten Fluss. Und was wir da heute im Lauf des Tages erlebt haben ist also noch die Kirsche auf dem ganzen Abenteuer-Kuchen (strahlt übers ganze Gesicht).DSC04328

F: Habt ihr etwa grössere Dramen miterlebt??

J: Das kann man wohl sagen!
O-C: Also erstmal sind ein paar Offroad-Cracks problemlos durchgekommen und Jules musste zugeben, dass wir das auch easy hätten machen können.
J: … grmpf.
O-C: Aber wir sind auch Zeuge grosser Dummheiten geworden. Also sehr geil war ein winziger Suzuki, der in den Fluss reingefahren ist und dann sofort angefangen hat im Wasser zu treiben. War wohl zu leicht das Ding. Wir konnten ihn aber rüberschubsen. Dummerweise war das Auto aber zu lang mit dem Motor unter Wasser, der Motor ist einfach ausgegangen und am Schluss musste das Auto rausgezogen werden. Inzwischen läuft der Motor wieder, ich konnte meine alten Automechanikerfähigkeiten nochmal einsetzen.P1070168
J: Ein echter Held!
O-C: Dem zweiten Trottel war aber echt nicht mehr zu helfen!
J: Ja, da hab sogar ich vorher gesehen, dass das schief gehen wird. Es war ein Typ mit einem Anhänger (!), der einfach hier angefahren kam, kurz gekuckt hat und dann einfach reingefahren ist. Also nix mit Plane, Reifendruck, Lage peilen…
O-C: Genau, der war einfach zu dämlich! Jedenfalls ist er mitten im Fluss einfach im Sand stecken geblieben und amtlich abgesoffen. Er hatte noch nicht einmal ein Notfallseil parat gemacht, das musste also erst gesucht werden. Und als dann Minuten später endlich jemand sein Auto zur Verfügung gestellt hat um ihn rauszuziehen, sass der Kerl schon bis zum Bauchnabel im Wasser.
J: Und jetzt sitzt er immer noch hier auf dem Campground und trocknet all seine Habseligkeiten. Und ob der Motor je wieder laufen wird, darf also angezweifelt werden…Chrissie hat auch einen recht coolen kleinen Film gemacht über dieses Absauf-Drama. Der ist allerdings für den Besitzer des Autos so peinlich, dass er im Giftschrank bleiben muss. Sorry!

F: Wow, Action!

O-C: Sag ich ja, der Hammer!
J: Sag ich ja, gut isses jetzt vorbei!DSC04352

F: Danke für dieses sehr aufschlussreiche Interview! Auf was dürfen wir uns als nächstes freuen?

J: Auf einen mehrtägigen Shoppingtrip, bei dem Christoph brav mitkommt und klaglos meine Tüten schleppt!
O-C: Ähm… Öhhhh. Also da reden wir aber nochmal drüber…DSC04350

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2 Gedanken zu “Exklusives Interview: Der Old Telegraph Track am Cape York!

  1. Hallooo Ihr Lieben – tolle Reportasche! Robinson Crusoe and his wife on the trip of today! Wow-Miau – echt aufregend und spanned, muting und grossartig. Nun ja, möglicherweise hält diese Erfahrung mal für die nächsten 15 Jahre….. :) ? Danke für das tolle Interview; waren dadurch gerade mal mitdabei und müssen uns jetzt den Schweiss von der Stirne wischen, trockene Sachen anziehen…..
    Drücker aus Stallikon, die M’s und natürlich weiterhin gaaaanz viel Shopping-Spass und überhaupt!

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