Wenig geteerte Strassen, Tankstellen, Supermärkte, Menschen und Handyempfang – dafür viiiieeel Natur

Lang, lang ist’s her, dass wir von uns haben hören lassen – das liegt nicht daran, dass wir keine Lust hatten uns zu melden, sondern schlicht und einfach am mangelnden Handyempfang! So ein Funkloch haben wir beide noch nie erlebt – aber der Reihe nach… DSC03723_CapeLeveque Von Broome aus sind wir nach Norden ans Cape Leveque gefahren oder besser gesagt geholpert. Was für eine üble ungeteerte Piste. Belohnt wurden wir mit einem menschenleeren Strand am Cape und einem leuchtend roten Sonnenuntergang über den Klippen. DSC03729_CapeLevequeDSC03736_CapeLeveque DSC03733_CapeLevequeDSC03738_CapeLeveque Okay, und einem fantastischen Stück Mango-Cheesecake… DSC03752_CapeLeveque Immerhin 5 Minuten Kultur gab’s auch – die Sacred Heart Church in Beagle Bay ist innen komplett mit Muscheln geschmückt. DSC03753_CapeLeveque Je weiter weg von einer grösseren Ortschaft desto höher ist die Chance, Autos in verschiedenen Stadien der Verrottung zu sehen. DSC03704_CapeLeveque Ein besonders weit fortgeschrittenes Exemplar ist auf diesem Suchbild zu sehen- Motto: finde ein identifizierbares Teil des Motors ;-) DSC03761_CapeLeveque Zurück in Broome haben wir Nicky und Roy mit Baby Kevin wieder getroffen, die wir ja in Geraldton dank ihres Zürcher Nummernschilds kennen gelernt hatten. Seither sind wir zu Fünft unterwegs, bekochen uns gegenseitig und wir schauen uns das ein oder andere von den erfahrenen Weltreisenden ab. Nebenbei betätigen wir uns auch als Teilzeit-Babysitter und bespassen den kleinen Kevin. DSC03816_KimberleysLennardRiverDSC03784_Broome DSC03784-2_Broome Bevor wir uns in die Kimberleys aufgemacht haben, mussten wir beide Autos bis zum Rand mit Essen und Getränken füllen, für die nächsten 17 Tage sollten wir nun nämlich keinen Supermarkt mehr zu Gesicht bekommen sondern nur noch hoffnungslos überteuerte Tankstellenshops, in denen man für eine Tafel Schokolade gerne mal 7$ zahlen kann. Die Preise für Diesel sind auch entsprechend gestiegen – in Perth kostete der Liter noch 1.65$, hier am Ende der Welt steigt der Preis dann gern auch mal auf 2.50$. DSC03895-5_KimberleysKalumburu Die Kimberleys sind ein ein Gebiet, mindestens so gross wie die Schweiz, durch das die Gibb River Road führt. Befahrbar ist diese Strasse nur mit Allradantrieb und wirklich stabilen Reifen, es ist nämlich mehr eine rüttelnde Schotterpiste mit vielen Flussdurchquerungen als eine mitteleuropäische Strasse. Manchmal wurde es im Auto so laut, dass wir uns nur noch anschreien konnten. Ein Powerplate brauchen die Leute dort jedenfalls definitiv nicht! DSC03805-3_KimberleysLennardRiver Der holprige Weg lohnt sich aber definitiv, es gibt wunderschöne Landschaften, Schluchten, Flüsse, Wasserfälle… DSC03790-2_KimberleysWindjanaGorge DSC03790-1_KimberleysWindjanaGorge DSC03792_KimberleysWindjanaGorge DSC03798_KimberleysWindjanaGorge  In der Windjana Gorge hatten wir unsere erste Begegnung mit Krokodilen – bisher nur in der kleinen und nicht so gefährlichen Süsswasser-Version.   An den vielen Flüssen gibt es immer wieder kleine Campgrounds, auf denen man sogar gratis sein Lager aufschlagen darf.

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Ein besonders schöner Platz hat uns inspiriert – wir haben Schweizer Zopf und Kuchen über dem Feuer gebacken und Christoph und Roy in einem kreativen Anfall mithilfe eines elektrischen Bartschneiders und meiner kleinen Nähschere die Haare geschnitten. Nicky und ich waren mit dem Ergebnis auf alle Fälle zufrieden – plus haben wir alle Tränen gelacht, hat sich also gelohnt!

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Unsere Wanderschuhe kamen ziemlich oft zum Einsatz, die meisten Schluchten muss man sich nämlich erwandern. Dafür wartet am Ende meist ein Wasserfall und ein paar kühle Pools auf uns und nach einem erfrischenden Bad fällt der Rückweg dann auch wieder leichter.

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Besonders anstrengend war die Wanderung zu den Mitchell Falls – es war wahnsinnig heiss, ziemlich steinig und vor allem weit. Wir wussten jedenfalls hinterher, warum die meisten Leute die horrenden Preise für den Hubschrauberflug zu den Wasserfällen bezahlen…

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Christoph hat besonders viel Spass an den vielen Flussdurchfahrten und den teilweise ziemlich anspruchsvollen 4×4-Tracks. Ich versuche währenddessen die Fassung zu wahren und nicht vom Sitz zu fallen. Über das Ende der Schotterpiste und den anschliessenden Teer habe ich mich dementsprechend auch deutlich mehr gefreut als Offroad-Chrissie!

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Wie viele von euch wissen, ist Chrissie grosser Fan des Fernsehsenders DMAX und ganz besonders der Serie „The Outback Truckers“. Die Serie zeigt einige australische Roadtrain-Chauffeure auf ihrem Weg durch Australien. Einer der Fahrer hatte es ihm ganz besonders angetan  – in jeder Folge steckte er knietief im Schlamm auf seinem Weg nach Kalumburu, wirklich in JEDER Folge. Jedenfalls haben wir uns immer gefragt, wo dieses Nest wohl liegt. Und siehe da, es ist in den Kimberleys!

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Die Gibb River Road selbst ist ja schon ziemlich abgelegen, Kalamburu ist in Sachen Abgelegenheit nochmal eine ganz andere Liga. Es sind weitere 260km über eine noch miesere Piste, bis man dann in diesem Kaff am Ende der Welt steht. Ausser einem Laden, der Polizeiwache und ein paar Häusern gibt es noch eine katholische Mission mit angeschlossenem Campingplatz. Als wir dort vorgefahren sind, konnten es zwei der Missionsmitarbeiter kaum fassen, dass ihnen da Landsleute auf den Hof gefahren sind. Reisen wir also bis ans absolute Ende der Welt und treffen mal wieder Schweizer… Das Kalumburu-Thema können Chrissie und ich jetzt auf alle Fälle abhaken, wir waren da, müssen aber nicht wirklich nochmal hin ;-)

Christoph hat seine Qualitäten als Babysitter inzwischen verfeinert und hat in Kevin einen kleinen Fan gewonnen.

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Zurück auf der Gibb River Road und auf der Suche nach einem idyllischen Plätzchen für die Nacht haben wir das Flüsschen Russ Creek entdeckt. Der Campground oberhalb des Flusses erschien Offroad-Chrissie aber zu banal, er hat ein paar Reifenspuren entdeckt, die über den Fluss auf eine kleine Sandinsel führten. Roy und er waren sich schnell einig, dass die Flussdurchquerung easy machbar ist. War sie auch. Leider war der Sand auf der anderen Seite aber nicht so fest und befahrbar wie er aussah… Im Gegenteil.

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Als Christoph mit Idefix über den Sand gefahren ist, hat der Untergrund plötzlich Wellen geschlagen (!!) und Idefix ist richtig amtlich abgesoffen. Mit der Vorderachse steckte das Auto innerhalb weniger Augenblicke bis zur Stossstange im Matsch – und zwar bombenfest. Offensichtlich gab es eine Art unterirdischen Fluss unter der Sandoberfläche.

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Zum Glück waren wir nicht allein unterwegs und zum Glück hatten sowohl wir als auch Nicky und Roy jede Menge Abschleppseile und Sandbleche. Anfangs waren wir sehr zuversichtich, dass Gandalf, der Landcruiser unserer beiden Mitreisenden den armen Idefix zackig wieder befreien würde. War eine nette Theorie, in der Praxis stecke Idefix absolut unverrückbar im Matsch.

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Zu Hilfe kam uns dann noch ein Australier, der mit vier weiteren Sandblechen anrückte. Chrissie, Roy und der Australier haben daraufhin stundenlang geschaufelt und geackert, es tat sich aber rein gar nichts.

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Erst als wir unseren Airjack ausgepackt haben, war die Rettung dann in greifbarer Nähe. Der Airjack ist eine Art Riesenluftballon, den man mit dem Kompressor aufpumpt und der das Auto anhebt. Insgeheim dachte Chrissie schon, dass er das Ding umsonst gekauft hatte, endlich kam es also zum Einsatz! Das Auto konnten wir so auf einer Seite mindestens einen halben Meter anheben, noch mehr Sandbleche drunter verteilen und dann endlich hatte das kleine Drama ein glückliches Ende, Gandalf hat Idefix mit einem beherzten Ruck befreit!

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Danke nochmal an den fleissig schaufelnden Roy und die fleissig fotografierende Nicky.

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(Ich wurde derweil mit Kevin am Rand geparkt, so konnte ich zumindest keine Panik verbreiten, ich war ja beschäftigt.)

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Zufällig hatten wir am Morgen eine Flasche Prosecco kalt gestellt, die haben wir dann natürlich feierlich anlässlich unserer Rettung am Abend geköpft.

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Bei irgendeiner steinigen Aktion haben wir uns ausserdem noch einen Reifen geschrottet – aber wozu hat man zwei Ersatzräder?

Im Home Valley kam dann mit einem Restaurant und Pool wieder ein Hauch Zivilisation in unser Leben und endlich mal wieder etwas Grünzeug auf den Teller. Unsere Vorräte waren nämlich bis dahin schon deutlich dezimiert!

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Die Überquerung des Pentecost River ist eine der bekanntesten Kimberley-Attraktionen. Der Fluss ist nämlich ziemlich breit und während der Regensaison muss er auch ganz schön tief sein.

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So war es vor allem eine willkommene Unterbodenwäsche nach der schlammigen Aktion ein paar Tage vorher.

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Mein Lieblingsteil der Kimberleys war El Questro. Das ist ein riesiges Gebiet mit wunderschönen Schluchten, Wasserfällen und sogar Thermalquellen. Anders als in anderen Teilen der Kimberleys gibt es hier üppig grüne und farnbewachsene Felswände und viele, viele Palmen.

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Die anstrengende Wanderung durch die El Questro Gorge war ein besonders schönes Erlebnis – zum einen wegen der tollen Natur und zum anderen wegen der abwechslungsreichen Strecke über riesige Steine und hüfttiefes Wasser. Und wir haben am nächsten Tag mal wieder unsere Knochen und Muskeln gespürt, nach all der Fahrerei und dem Rumsitzen auch mal wieder schön.

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Jetzt gerade sind wir in Kununurra, haben den örtlichen Supermarkt schon fast komplett leer gekauft (nach 17 Tagen waren wir ganz schön am Anschlag mit unseren Vorräten…) und bereiten nun die nächsten Etappen vor. Als nächstes steht der Purnululu Nationalpark mit den berühmten Bungle Bungle-Felsformationen, die wie überdimensionale Bienenstöcke aussehen, auf dem Programm.

Sonnige Grüsse nach Hause :-)

PS: Die wirklich tollen Fotos sind von Nicky, die zwei Kameras, x Objektive und ein riesiges Stativ auf jeden Hügel schleppt. Danke dafür!! Die anderen Fotos hat wie immer Christoph geschossen.

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9 Gedanken zu “Wenig geteerte Strassen, Tankstellen, Supermärkte, Menschen und Handyempfang – dafür viiiieeel Natur

  1. Toller Bericht. Jetzt wird mir klar, weshalb Ihr unbedingt durch die Kimberleys wolltet. Passt gut auf Euch auf und weiterhin viel Freude!

  2. Ihr Lieben, danke für den eindrücklichen Bericht. Eindrücklich in jeder Beziehung :) :) Es muss toll sein – Abenteuer pur und nix weiteres zu tun. “beneide” Euch von Herzen :)
    Freuen uns auf weitere Nachrichten.
    Bis dänn, Behütetsein and love, Marianne-Mutter mit Maximilian

  3. Ich finde euren Reisebericht so super, schön können wir eure abenteuerliche Reise miterleben und sind glücklich, dass ihr alles bisher überlebt habt. Und als Babysitter mit dem kleinen Kevin macht ihr euch grossartig! Glückliche Weiterreise!

  4. Ihr Lieben, das liest sich alles sehr sehr spannend und die Bilder sind der Hammer. Ich will euch ja nicht unter Druck setzen, aber Kevin steht euch super. Ich werde daher den Arbeitstitel “Kevin-Production” eröffnen. Wetten nehme ich ab sofort entgegen. Als Einsätze nehme ich Champagner Flaschen entgegen. Ich setze deren mal 6 Stück auf 2015.

  5. Liebe Julia
    Ich musste ja so lachen und tolle Bilder habt ihr da geladen. Die Berichte der Hammer und ich bin immer ganz nah in Gedanken (kann euch total nachfühlen). Da war ich auch in den Kimberlys und BungleBungle! Es stillt mein Fernweh und freut mich aber auch euch so glücklich und zufrieden zu sehen.
    Hebet euch Sorg (würklich!), gnüsset euchi Ziiit & liebe Grüsse
    Michèle

  6. Julia, super Berichte, super Fotos herzlichen Dank. Da möchte man am liebsten auch gleich hin. Weiterhin eine spannende Zeit und ganz liebe Grüsse auch an Offroad-Chrissie :-)

  7. I am impressed…. Viel mehr Abenteuer geht nicht. So spannend, so tolle Fotos und der treffende Kommentar dazu, ein Augen- und Lesespass. Ganz liebi Grüess

  8. Ihr Lieben,
    das ist wunderschön Eure Berichte zu lesen und die tollen Bilder sprechen für sich. Habt weiterhin viel Spass und im Oktober könnt Ihr dann mal mit der Verhütung aufhören – Ihr seht zu gut aus mit Kind, das passt perfekt zu Euch.
    Ganz liebe Grüsse aus der etwas verregneten Schweiz – Sabine und Kilian

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