Reisli, Klappe die letzte

Seit drei Tagen sind wir nun also wieder wohl behalten zu Hause. Der Flug war vor allem furchtbar lang und unsere Erschöpfung dementsprechend gross, als wir in Zürich gelandet sind. Wider Erwarten ist sogar all unser Gepäck inklusive Flugdrohne gemeinsam und am Stück mit uns angekommen.
Die eigentliche Überraschung hat uns dann nach der Zollkontrolle erwartet – das Empfangskomitee war grösser als angekündigt und neben Chrissies Eltern und Bruder standen Julias Eltern als Überraschungsgäste mitsamt selbst gemalten Plakaten ebenfalls da! Die Wiedersehensfreude war riesig, die Tränchen sind geflossen und vor lauter Emotionen hat keiner an ein Erinnerungsfoto gedacht…

Inzwischen haben wir den heftigen Jetlag halbwegs hinter uns und den ersten Zürich-im-Vorweihnachtsstress-alle-tragen-schwarze-Mäntel-wir-müssen-wieder-in-einem-geschlossenen-Raum-schlafen-Schock verwunden. Dass wir jetzt aber wieder Socken tragen müssen macht uns doch noch zu schaffen ;-)

Umso lieber schwelgen wir nun noch einmal in Erinnerungen und blicken zurück auf die beste Reise aller Zeiten – oder besser gesagt DAS Reisli. Getrennt voneinander haben wir unsere Eindrücke hier für euch in einem kleinen Fragebogen gesammelt. Und an der Länge der Antworten lässt sich auch ablesen, wer von uns die Laberbacke ist, ähem…

Unvergesslich?
Chrissie: Irgendwie ist die ganze Reise unvergesslich! Am ehesten noch den Trip ans Cape York über den OTT, das Steckenbleiben mit Idi im Treibsand und natürlich Julias leckere Camping Kochereien!DSC04251_CapeYorkDSC03897_KimberleysRussCreekDSC03485
Julia: Das gesamte Reisli. Ich bin mir sicher, wir haben auch in 50 Jahren noch „weisst du noch“-Momente.

Zum Vergessen?
Chrissie: Also die grösse Südseeinsel „Neukaledonien“ kann man getrost vergessen.
Julia: Eindeutig Neukaledonien! Was für eine Enttäuschung… Wir hatten ein ursprüngliches Südseeparadies erwartet und haben uns neun Tage lang auf die Weiterreise gefreut!DSC00067---Kopie


Mmmmh, so lecker?
Chrissie: Julias Camping Food und die erste gute Pizza in 8 Monaten in Brisbane, wir haben gleich drei davon gegessen.1 (251)
Julia: Richtig toll auswärts gegessen haben wir nicht sooo häufig. Aber ganz offensichtlich hat es uns ja im „Rising Sun“ in Palm Cove geschmeckt, wo wir sechsmal hingegangen sind und immer den „Crispy fried squid“ gegessen haben. Muss ich unbedingt bald mal versuchen nachzukochen! 23 Palm Cove (14)Und unser Abschiedsmittagessen in Sydney beim Italiener war auch wahnsinnig gut. Seit Abflug der erste wirklich fantastische Mozzarella mit Prosciutto, eine richtig italienische Pizza und sooo leckere Pasta mit Steinpilzen. Beim Abschlusstiramisu sind uns dann vor lauter Vorfreude auf ähnlich gutes Essen daheim fast die Freudentränen gekommen…

Ähm, nee, muss nicht nochmal sein?
Chrissie: Nochmals von einer Dengue infiszierten Mücke gestochen zu werden, und der Lärm von Stromgeneratoren auf Campingplätzen.DSC00307
Julia: 99% aller Würste, die man im Supermarkt kaufen kann. Hundefutter ist vermutlich hochwertiger… (Deshalb mussten wir auch vier Stunden nach der Ankunft trotz Jetlag direkt eine Bratwurst am Sternengrill essen gehen, um dieses Trauma quasi zu überwinden!)

Bester Campground?
Chrissie: Och, was für eine schwierige Frage. Gab es doch einige Top-Notch Übernachtungen! Ich kann es da nicht bei einem belassen und nenne:

  • Gullet Bluff in WA , menschenleeres Campen 50m vom Meer entferntDSC03451_GouletBluffSharkBay
  • De Grey River in WA, Campen inmitten von Kühen unter Baum-Schattendach am FlussDSC03668
  • Sams Creek am OTT in QLD, warmes, glasklares Wasser mit türkisfarbenem Wasserfall-Pool
  • Fraser Island1 (113)

Julia: Ganz schwierig da nur einen auszusuchen, es gab so viele tolle Orte. Super war auf jeden Fall der Lennard River in den Kimberleys, wo wir mit Nicki, Roy und Kevin zwei tolle Tage hatten. Inklusive Zopf- und Kuchenbacken, Haareschneiden und Überraschungsfrühstück mit Tischdecke, zubereitet von unseren Reisegefährten.DSC03826-1_KimberleysLennardRiver DSC03820_KimberleysLennardRiver GlobexplorerDSC03805-1_KimberleysLennardRiver

Schlimmster Campground?
Chrissie: Irgendwie gab es keinen schlimmen Campground. Wir hatten ja das Zelt auf dem Dach und wenn es uns nicht gefallen hat, sind wir einfach weiter gefahren. So spontan kommt mir nur die Nacht „in the middle of nowhere“ in den Sinn, wo wir auf dem Savannah-Way abseits der Strasse im Nirgendwo übernachtet haben. War gaaanz schön Dunkel die Nacht!DSC04223_SavannahWay
Julia: Schlimm wurde es an einigen Orten dank diversen Insekten. Besonders „ins Herz geschlossen“ habe ich die Sandflies, die an einigen Abenden und Morgen eine All-you-can-bite-Party auf meinen Armen und Beinen gefeiert haben.


Die besten Begegnungen?
Chrissie: Die Buckelwale auf Moorea, Kakadus in Airlie Beach sowie die vielen offenen, warmherzigen und gastfreundlichen Menschen, welche wir in Australien getroffen haben.7-Airlie-Beach-(17)DSC06312
Julia: Die Australier sind unglaublich offene, gastfreundliche und herzliche Menschen! Besonders toll war aber natürlich das gemeinsame Reisen mit Nicki, Roy und Kevin und die gemeinsame Zeit mit Sarah und Peter in Sydney. Danke euch besonders!!!DSC03980_Purnululu_9DSC00046_BlueMountains_23

Begegnungen, auf die du lieber verzichtet hättest?
Chrissie: Auf die anfänglichen mechanischen Zickereien von Idi und auf den Typen von Campsite 37 am Rainbow Beach Campingplatz, welcher den ganzen Tag laute Musik gehört hat und nicht davon abzubringen war.
Julia: Eine unserer letzten Nächte haben wir auf einem an sich schönen Campground mitten im Wald verbracht. Wenn da nicht die unmögliche Truppe gewesen wäre, die bis in die Nacht den gesamten Platz mit ihrer Musik beschallt und auf unsere Bitten, doch bitte die Lautstärke leiser zu stellen ziemlich aggresiv reagiert haben. Die etwa fünfjährige Tochter des einen Idioten hat mich tatsächlich „Bitch“ genannt, woraufhin er nur beifällig genickt hat… Da fehlten mir dann tatsächlich die Worte!


Bester Kauf?
Chrissie: Ein 4 Tonnen Air Jack J (Wer unseren Blog gelesen hat weiss warum)DSC03899-18_KimberleysRussCreek
Julia: Das ausklappbare Pneu-Tischli, auf dem ich meine Campingküche allabendlich aufgeschlagen habe. Top investierte 40 Dollar!DSC03393

Völlig dämlicher Kauf?
Chrissie: Mein Kindle eReader… ich mag einfach in die Luft gucken mehr als lesen.
Julia: Die aufklappbare Küche, die wir bereits am zweiten Abend weiterverschenkt haben – einfach überflüssig!


Was wirst du vermissen?
Chrissie: 8 Monate lang kurze Hosen und Flip-Flops zu tragen und jeden Tag von der Sonne geweckt zu werden.DSC00355
Julia: 24/7 mit Chrissie, die Freiheit, das Campen, das Meer, die viele frische Luft, das Dachzelt, das Unterwegs-sein und das viele Neue, die lockeren, unkomplizierten Menschen, die Sonne und Wärme… Ach, ich kann gar nicht mehr aufhören mit Aufzählen!GOPR1071

Was wirst du ganz sicher nicht vermissen?
Chrissie: Grey-Nomads (das sind pensionierte Australier, die riesige Wohnwagen durchs Land zerren) mit Stromgeneratoren sowie die vielen unnützen Strassen- und Verbotsschilder sowie das QLD Campground Booking System.
Julia: Sandflies, Moskitos, Quallen, Krokodile, Fliegen!1 (21)


Bester Tag?
Chrissie: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag. Kurz: Jeder Tag mit Julia!3 Limmen NP (1)
Julia: Der erste Tag auf Bora Bora. IMG_4440Es war überwältigend schon aus der Luft, aber dann wirklich tatsächlich dort zu sein, Blumenkranz um den Hals mit dem Boot über dieses unglaubliche Türkis zu düsen, dann die Insel im Hintergrund. GOPR0733DSC00192Und dann die Ankunft im Hotel und der erste Blick in unseren fantastischen Overwater Bungalow, dazu die Flasche Champagner… Einfach nur WOW!

Schlechtester Tag?
Chrissie: Was bitte ist schlecht? :-)
Julia: Als Chrissie in Rarotonga plötzlich mit hohem Fieber im Bett lag und sich dann rausgestellt hat, dass der Ärmste den Dengue-Virus erwischt hat!


Bester Strand?
Chrissie: Cape Leveque in WADSC03729_CapeLevequeDSC03736_CapeLeveque
Julia: Ganz Fraser Island ist ja quasi ein einziger, riesiger Strand. Zwar ohne Palmen, aber trotzdem wunderschön.DCIM100GOPRO 1 (10)

Schlechtester Strand?
Chrissie: Den Strand in Cairns kann man vergessen, der ist mehr eine Schlammpfütze.
Julia: Sehr enttäuscht war ich von der Absenz schöner Strände auf Neukaledonien. Und in Australien war es ziemlich frustrierend, dass auch am schönsten Strand meist irgendein fieses Vieh im Wasser gelauert und Schwimmen unmöglich gemacht hat (erst Krokodile, dann Quallen und dann Haie).4-1-Townsville-1


Das Beste an Idefix?
Chrissie: Die Klimaanlage.
Julia: Idefix war unser mobiles Zuhause, hat uns gekühlt (Klimaanlage), gewärmt (nachts im Dachzelt), mit kühlen Getränken und warmem Essen versorgt, hat uns brav durch jeden Fluss, den tiefsten Sand und über die steilsten Hügel gebracht… Wir waren auf der Reise also quasi zu Dritt unterwegs ;-) DSC03530

Das Doofe an Idefix?
Chrissie: Er hat am Anfang etwas viel mechanische Streicheleinheiten gebraucht.IMG_3214
Julia: Dass er nicht mit uns nach Hause kommen konnte, sondern in fremden Händen zurückbleiben musste. Schnief…


Dein Lieblingsmoment?
Chrissie: Jeder Moment mit Julia war mein Lieblingsmoment!DSC04539_WongaBeach_3
Julia: Als in Moorea plötzlich die Buckelwale unter uns durchgeschwommen sind.


Dein Hab-ich-schon-wieder-verdrängt-Moment?
Chrissie: Kann mich nicht daran erinnern, habe ich verdrängt.
Julia: Als Chrissie das Auto in den Kimberleys im Treibsand versenkt hat. Kann ich zwar heute drüber lachen, in der Situation selbst fand ich es aber Null witzig!DSC03899-14_KimberleysRussCreek


Schönste Strecke?
Chrissie: Old Telegraph Track! What else!?DSC06224 DSC05524 DSC04322 DSC04297
Julia: Im Rückblick der Old Telegraph Treck hoch zum Cape York. Ich hatte zwar Schiss für zehn, es war aber einfach toll.

Langweiligste Strecke?
Chrissie: Higway No. 1 zwischen Perth und Broome. Dort gibt es nichts zu sehen…
Julia: In Westaustralien die Strecke durch die sogenannte Pilbara. Mehr Nichts geht fast nicht – Langeweile bekam da eine ganz neue Bedeutung.

 

Beste Eigenschaft deiner Reisebegleitung?
Chrissie: Beste Eigenschaft? Julia IST die BESTE überhaupt und sowieso!IMG_4003
Julia: Er ist wie er ist. Das ist das Beste. Dass er ausserdem noch Autos reparieren und ausgezeichnet fahren kann, dass er jeden Tag abgespült und mich monatelang zum Lachen gebracht hat. Und überhaupt. Alles :-) DSC04053_Bali

Nervigste Eigenschaft deiner Reisebegleitung?
Chrissie: Will am Flughafen am liebsten schon 3 Stunden vor Abflug am Gate sein, und möchte beim Boarding am liebsten 30min. in der Schlange stehen. Julia begreift einfach nicht, dass ihr Sitzplatz schon reserviert ist ;-)
Julia: Seine Leidenschaft dafür, das Auto und uns in gefährliche bzw. schlammige Situationen zu bringen. Und dann auch noch zu sagen: „it’s all part of the fun“. Aha.DSC04400


Campen ist genial, weil…?
Chrissie: Weil man immer draussen in der Natur ist. Trifft aber nur zu wenn’s dauernd warm und schön ist.DSC03659
Julia: … wir mitten in der Natur an den besten Stellen jederzeit unser Camp aufschlagen konnten und unser Schneckenhaus immer dabei hatten.DSC03391

Campen ist doof, weil…?
Chrissie: Man hat wenig Privatsphäre und kein Sofa zum Abhängen, manchmal kann es auch ganz schön feucht und kalt werden.DSC04004_Purnululu_1_1
Julia: … unterm Strich ein richtiges Bett einfach bequemer ist.


Der ultimative Luxus?
Chrissie: Bora BoraG0040815
Julia: Der Overwater Bungalow auf Bora Bora. Mehr geht nicht.Bora BoraBora Bora

Drunter geht gar nicht?
Chrissie: Notausgangssitze im FlugzeugDSC00022_Sydney
Julia: Ich kann so ziemlich aus Nichts ein annehmbares Essen basteln. Wenn aber sowohl Knoblauch als auch Zwiebeln alle sind, dann wird’s anspruchsvoll.1 (144)


Wichtigstes Teil aus deinem Gepäck?
Chrissie: Brille und Unterhosen
Julia: Mein Kindle eReader. Ich habe fast 90 Bücher gelesen und jedes einzelne genossen. Auch wenn Chrissie gewisse Eifersuchtsanfälle gegenüber dem Ding hatte, hätte ich es nicht missen mögen.

Hättest du echt zu Hause lassen können?
Chrissie: Socken und 50% meiner kurzen Hosen
Julia: Eigentlich nichts, der Inhalt meiner Tasche hat sich als ziemlich sinnvoll erwiesen. Ich hätte vielleicht meine Sorgen zu Hause lassen können, dass irgendwas schief geht. Kommt sowieso alles wie es muss und meistens kommt’s gut!DSC04101_Bali


Was würdest du am Reisli genau so wieder machen?
Chrissie: Einfach alles! (Ausser nächste Frage).
Julia: Es mit Chrissie und Idefix gemeinsam machen!DSC04135_LimmenNP

Und was würdest du heute anders planen?
Chrissie: Zwei Tage Singapore statt vier, Neukaledonien und Moorea würde ich auslassen und Business Class für den langen Flug buchen.DSC04177_1_SavannahWay
Julia: Westaustralien würde ich vermutlich weglassen, dafür aber noch den Süden sehen. Und vom Südseetrip würde ich – überraschend – Neukaledonien weglassen, evtl. auch Tahiti und Moorea. Letztendlich glaube ich aber, dass die Strecke an sich gar nicht so wichtig ist, sondern dass vielmehr die Tatsache, überhaupt auf Reisen zu sein und die Begleitung, entscheidend sind.DSC03881_KimberleysMitchellFalls


Worauf hast du dich zu Hause gefreut?
Chrissie: Auf meine Familie, meine Freunde. Eine Sternengrill Bratwurst, Spagetti Vongole in der Cantinetta Antinori und das Steak mit Morchelrahmsöseli und Nudeln vom Autobahn-Spanier!
Julia: Unser Bett! Endlich wieder ein Sofa! Eine richtige Küche! Und natürlich vor allem: unsere Familien und Freunde, die uns so herzlich wieder empfangen haben.

Wovor graut dir jetzt schon?
Chrissie: Ich muss meine Steuererklärung 2013 noch machen.
Julia: Vor den typisch grauen Wintertagen und davor, dass der Alltag zu schnell wieder Einzug erhält.


Und sonst so?
Chrissie: Alles Roger!
Julia: Es war einfach nur genial und ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Reise machen durfte. Es war die beste Zeit meines Lebens! Danke Chrissie, dass ich sie mit dir teilen durfte <3DSC04550_DaintreeJungleSurfing

Ganz zum Schluss möchten wir uns noch einmal bei euch für die vielen Kommentare, Feedbacks und das Interesse an unserem Blog bedanken. Es hat das Heimkommen sehr erleichtert, da wir zumindest wussten dass zu Hause liebe Menschen auf uns warten, die sich auf uns freuen.

Euch allen nun schöne Weihnachten und einen fulminanten Start ins neue Jahr!

Noch mehr Sand und Abschiedsschmerz

Erste Station auf unserer letzten Reiseetappe war wie angekündigt Rockhampton. Die australische Steak-Hauptstadt. Sagt das Internet und der Reiseführer. Und dann kommen wir da an und das gemäss Tripadvisor allerallerbeste Steakhouse in Rockhampton sieht von aussen schonmal ziemlich “naja” aus und von innen eindeutig “zum Davonlaufen”. Ein uncharmanteres Restaurant haben wir lange nicht gesehen – aber weil das Restaurant wirklich begeisterte Kritiken überall hatte, haben wir uns überwunden. Und es hat sich gelohnt!1 (1)Ein fantastisches Steak auf dem heissen Stein, hmmmm…. Und wieder mal der Beweis, dass unsere mitteleuropäischen Ideen zum Thema Stil etc. in Australien nicht zwingend gelten müssen.

Viele, die wir unterwegs getroffen haben haben uns vom Ort 1770 vorgeschwärmt – ja, der heisst wirklich 1770 und ist damit wohl der einzige Ort auf der Welt, dessen Name nur aus Ziffern besteht. 1770 liegt auf einer kleinen Landzunge und hat uns deshalb endlich mal wieder einen Sonnenuntergang überm Meer beschert, obwohl wir an der Ostküste unterwegs waren. 1 (2)Der Campingplatz hatte wie so oft von allen Unterkünften die allerbeste Lage und Idefix und wir einen Logenplatz in der ersten Reihe, herrlich.

Für Christophs 29. Geburtstag (ähem…) hatte ich schon vor langer Zeit in einem Partyshop heimlich diverse Accessoires gekauft. 1 (3)Und in Kombination mit der Tradition meiner Familie, dem Geburtstagskind einen Blumenkranz um den Frühstücksteller zu drapieren wurde daraus eine ziemlich bunte Angelegenheit: Glitzerkerzen in Happy Birthday-Form, ein ultimativer “Birthday Boy”-Anstecker (den Chrissie tapfer den ganzen Tag getragen hat und dank dem wir sogar Rabatt in einem Auto-Zubehör-Laden bekommen haben!), Blumen und “Party Poppers”, das sind kleine Luftschlangenbomben, die dem jugendlichen Jubilar besondere Freude gemacht haben ;-) 1 (4)
Leider waren das auch schon die aufregendsten Ereignisse an seinem Geburtstag, weil wir den übrigen Tag fast ausschliesslich in Sachen Auto verbracht haben, es stand nämlich mal wieder ein Service an. Dabei hat sich dann noch rausgestellt, dass eines der vorderen Radlager sich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte und so haben wir mal wieder gewartet. Haben ja inzwischen Übung! Aber völlig entgegen unserer bisherigen Werkstatt-Erfahrungen hier in Australien lief diesmal alles glatt – fairer Preis, gute Arbeit, was willste mehr?

Bevor wir uns nach Fraser Island, der grössten Sandinsel der Welt, aufmachen konnten, mussten wir einen kleinen Abstecher nach Gympie machen, um dort auf der Post einen neuen Reissverschluss für die Hülle unseres Dachzelts zu besorgen. Der hatte nämlich beschlossen, sich dem Radlager anzuschliessen und ebenfalls verabschiedet. Mit dem Reissverschluss im Gepäck wollten wir dann aus der Stadt rausfahren und auf dem nächsten Rastplatz den Reissverschluss neu einfädeln. Guter Plan, wenn nicht der Schliessmechanismus der Fahrertür just in dem Moment beschlossen hätte, gemeinsame Sache mit Radlager und Reissverschluss zu machen. Sprich: die Fahrertür ging plötzlich nicht mehr zu.1 (5)
Mechaniker-Chrissie meinte, easy, schnell die Seitenverkleidung abschrauben, kurz dran rütteln und gut is. Denkste. Erstens sah er nach wenigen Minuten aus wie Sau, weil unter der Türverkleidung halb Australien in Staubform auf ihn gelauert hat und zweitens hat es mitten in dieser Aktion plötzlich angefangen zu schütten wie aus Eimern. Ergebnis waren ein dreckiger UND nasser Chrisse plus ein mit Wasser vollgelaufener Werkzeugkasten, dessen 149 Einzelteile ich hinterher liebevoll trocken polieren “durfte”, damit nicht alles sofort rostet. Wäre ja alles schon nervig genug gewesen, aber es hat sich gezeigt, dass ein Plastikteil in dem Mechanismus so kaputt war, dass wir einen neuen Schliessmechanismus kaufen mussten. Also wieder zurück in die Stadt, horrenden Preis für das Mistding bei Nissan hinblättern und insgesamt 3h später konnten wir unsere Reise dann wieder mit vier schliessenden Türen fortsetzen.

Nach Fraser Island kommt man mit einer Fähre, die die Autos direkt am Strand dort absetzt. DCIM100GOPROUnd ab da liegen dann Hunderte von Kilometern auf Sand vor den Abenteurern, die Insel ist nämlich 120km lang. Am schnellsten kommt man direkt am Strand voran, eine Art Sand-Autobahn, auf der die hartgesottenen Aussies gerne auch mal 80 km/h oder schneller fahren. Und es landen dort auch Flugzeuge. Ein ganz normaler australischer Strand also ;-) 1 (17)1 (9)

Circa 15 Minuten nach unserer Ankunft auf der Insel konnten Idefix und Offroad-Chrissie endlich mal wieder zeigen, dass sie’s drauf haben und ihrerseits einen Australier befreien, der sich mitsamt seinem Anhänger im Sand festgefahren hatte. Endlich mal wieder sorum und nicht immer wir am Haken!1 (7)
Im Meer vor Fraser sollte man nicht unbedingt baden, auf der einen Seite sind die Krokodile auf der anderen die Haie. Dafür gibt es im Inneren der Insel wunderschöne Süsswasserseen. 1 (10)Mit dem glasklaren türkisfarbenen Wasser und den weissen Sandstränden haben wir uns fast wieder wie in der Südsee gefühlt, einfach ohne brennendes Salzwasser in den Augen. Besonders der Lake McKenzie hatte es uns angetan und wir mussten gleich mehrmals dort Schwimmen gehen.DCIM100GOPRO

1 (13)Am zweiten Vormittag auf Fraser ist uns auf einer der Sandpisten im Landesinneren der Polizei-Landcruiser begegnet und wir waren beeindruckt vom Tempo, das der auf der holprig weichen Strecke vorgelegt hat. Ein paar Minuten später haben wir auf einem Parkplatz angehalten und zack stand der Polizist mit dem Alkoholtester neben uns. Chrissie hat ihm sofort zugerufen, dass er unbedingt reinpusten möchte, weil er schon Unmengen an Wasser konsumiert habe. Ausserdem hat Chrissie mir zugerufen, dass ich schnell mit dem Fotoapparat kommen soll. 1 (8)Und der netteste Polizist aller Zeiten hat sich dann nicht nur per Handschlag bei Chrissie vorgestellt, er hat auch gewartet, bis ich mein Foto im Kasten hatte und brav mit posiert. Wir haben so unsere Zweifel, ob das in der Schweiz so auch gegangen wäre…1 (18)

Die Westküste von Fraser ist für Autos direkt am Strand nicht befahrbar, weil der Untergrund dort noch weicher ist als an anderen Stellen und die Gefahr, dass das Auto direkt im Sand verschwinden würde ziemlich gross ist. Gut zu besichtigen an den ziemlich rostigen Überresten dieses Traktors…1 (12)

1 (19)Wir hatten auf Fraser ausschliesslich tolle Campingplätze, vor allem die direkt hinter den Dünen waren spektakulär. Windgeschützt stand dort das Auto, weit und breit kein Mensch und wir haben unsere Stühle einfach oben auf die Düne gestellt und die Aussicht aufs Meer und die Sandautobahn genossen. Wunderschön.1 (16)
Einziger Haken waren ganz im Norden die Fliegen…
Chrissie hier zu sehen in seiner Rolle als “Herr der Fliegen”. 1 (21)Es war fürchterlich. Die Mistviecher sassen überall und haben uns schier in den Wahnsinn getrieben. Aber wenn wir es kurz geschafft haben das auszublenden, war es auch dort einfach toll.1 (22)1 (23)

Chrissie war ja vor 18 Jahren schonmal in Australien und unter anderem auf Fraser. Wir hatten deshalb diverse “oh, den Baum/See/Ausblick hab ich damals auch schon fotografiert”-Momente und freuen uns schon auf den Vergleich mit der 2014er Version der Fotos. DCIM100GOPROAnders als vor 18 Jahren gehörten wir auf Fraser aber diesmal eher zur Seniorengeneration – es sind unglaublich viele Backpacker mit Maximalalter 25 unterwegs. So kam’s auch, dass wir irgendwann versucht haben, optisch einfach auch dort mitzuhalten. Hier unser Versuch…1 (15)
Ich glaube, wir bleiben in Zukunft bei unserem echten Alter ;-)

Auf Fraser kommen jedes Jahr viele Wasserschildkröten, um ihre Eier am Strand zu vergraben. Momentan ist grade Hochsaison dafür. Und es ist beeindruckend, was für lange Strecken die Schildkrötenmamas über den Sand zurücklegen – der Strand ist teilweise sicher 50m breit und die Damen kraxeln dann auch noch die Düne hoch, graben dann ein tiefes Loch, legen die Eier ab, schaufeln das Loch wieder zu und müssen dann den ganzen Weg wieder zurück. 1 (20)Am nächsten Morgen kann man dann immer mal wieder Schildkrötenspuren im Sand sehen (am Anfang haben wir ein seltsames Gefährt hinter diesen Spuren vermutet!).

1 (24)Nach fünf wunderbaren Tagen auf Fraser wurde das Wetter langsam schlechter und wir haben uns wieder mit der Fähre auf den Rückweg gemacht. 1 (25)DCIM100GOPROVom Sand hatten wir aber noch lange nicht genug und sind direkt am Strand die Cooloola-Coast runtergefahren. 1 (27)Entlang des Strands sind dort spektakuläre Dünen aus farbigem Sand und weit und breit kein anderes Auto.1 (28)1 (29)

Spätestens nach dieser Etappe wurde uns aber klar, dass wir definitiv wieder in der Zivilisation sind. Plötzlich gab es mehrspurige Strassen, dichten Verkehr und so viele andere Menschen. Je näher wir Brisbane gekommen sind, desto voller wurde es. Brisbane sollte unsere Endstation für die Fahrt sein, weil wir aber etwas früher als gedacht dort waren, sind wir noch ein Stück weiter nach Süden gefahren. Etwas geschockt waren wir von der Gold Coast. Das ist eine Art Miami Beach in der nicht so hübschen Version, das heisst Hochhäuser ohne Ende und Null Charme.1 (30)
Also haben wir beschlossen, uns das eher von Weitem anzuschauen und sind in den Springbrook-Nationalpark gefahren. Der liegt in den Bergen, ist herrlich grün und hat tolle Aussichtspunkte (unter anderem den “Best of all Lookout”, der tatsächlich so heisst!).1 (31)
Das Foto zeigt neben der tollen Aussicht auch das aufziehende Gewitter… Hatten wir monatelang Glück mit dem Wetter, sind wir in den letzten paar Tagen noch einige Male ordentlich nass geworden. Bei einem besonders heftigen Gewitter haben wir uns sicherheitshalber ins Auto verzogen, wir wollten nicht auf den letzten Metern noch vom Blitz getroffen werden.1 (32)

Dennoch waren es nochmal ein paar tolle Tage. Am letzten Campingmorgen hatte Christoph so auch grössere Schwierigkeiten, mich aus dem Dachzelt rauszubekommen, weil ich mich so gar nicht losreissen konnte.DCIM100GOPRO

Seither schlafen wir also wieder wie normalsterbliche Europäer in richtigen Betten. Netterweise haben Chrissies ehemalige Gasteltern, bei denen er vor 18 Jahren als Sprachschüler gewohnt hat, uns bei sich in Brisbane aufgenommen. Dort haben wir Idefix für den Verkauf parat gemacht – sprich Grossputz, kleinere Reparaturen und ich habe noch einen neuen Bezug für die Matratze genäht.1 (34)
Und dann haben wir unsere Idi, unser Zuhause also schweren Herzens verkauft – immerhin an einen Schweizer, so muss der arme Idi sich nicht ganz so fest umgewöhnen ;-) Mir war zwar zum Weinen zumute, wir sind aber froh, dass wir den Verkauf so reibungslos und vor allem eigenhändig machen konnten und das nicht Sue und Rob aufhalsen mussten.

Gestern sind wir dann mit Sack und Pack nach Sydney geflogen und wurden dort wieder von Sarah und Peter aufgenommen, die uns auch im September schon beherbergt haben. Am Abend sind wir zusammen mit ihnen und mit drei Mitreisenden unseres Whitsunday-Segeltörns noch einmal zum Taco Tuesday gegangen und haben Abschied gefeiert.IMG_5530[1]IMG_5535[1]
Jetzt, ein paar Stunden vor unserem Heimflug mischen sich Trauer über das Ende unseres Reislis mit Vorfreude auf unser Zuhause und unsere Lieben… Und endlich, endlich verschonen wir euch ab jetzt mit unseren unerträglichen Sonne-Strand-Sommer-Fotos sondern machen mit beim Schweizer Winterwetter.

Wobei, ein kleiner Spezialrückblick folgt doch noch in den nächsten Tagen ;-)