Und weiter geht’s über die Buckelpiste (Bonus: Palmenstrand und Hängematte!)

Vielen Dank zunächst mal für die grosse Anteilnahme an meinem harten Schicksal – ich sag nur Old Telegraph Track… Ich kann aber alle beruhigen, ich habe mich bestens erholt und fand es so im Rückblick und mit etwas Abstand eigentlich sogar ganz lustig.

Nach überstandener Rüttelei und Tauchfahrt sind wir mit all unseren Zufalls-Reisegefährten gemeinsam ans Cape York gefahren und haben uns erst einmal ein paar Tage erholt. Dort ganz im Norden von Australien gibt es viele Campingplätze direkt am Strand, herrlich! Leider kann man im türkisblauen Meer überhaupt nicht baden, weil es hier fiese Salzwasserkrokodile gibt. Und denen muss ich also jetzt nicht unbedingt von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten…DSC04419Auf diesem hübschen Foto sieht man Offroad-Chrissie übrigens gerade beim Mittagsschlaf… Unsere sämtlichen Versuche, einen Tag mit annähernd sauberen Fusssohlen zu überstehen, sind bisher gescheitert. Deshalb schrubben wir nur abends vorm Schlafengehen ordentlich, dazwischen müssen die kohlschwarzen Dinger halt aus dem Zelt baumeln.

Natürlich haben wir auch einen Ausflug zum „Tip“ unternommen, das ist der nördlichste Punkt des australischen Festlands – hier als Suchbild „finde das Schild“.DSC04389DSC04385

Egal wo wir am Cape York hingekommen sind, überall hatte sich unter den Campern schon herumgespochen, wie dieser Depp sein Auto im „Nolan’s Creek“ hat absaufen lassen (siehe letzter Beitrag) und vor allem, dass es darüber doch so einen coolen Film gibt… Wirklich witzig, wie schnell sich sowas rumspricht. Chrissie hat sich natürlich sehr gern als Regisseur geoutet und überreden lassen, den Film in diversen Camingplatz-Spezialvorführungen zu präsentieren. Schliesslich haben wir lediglich versprochen, ihn nicht auf YouTube zu stellen – von Live-Vorführungen war nicht die Rede ;-)

Offroad-Chrissie war nach einigen Tagen Ausspannen so relaxt, dass er erstmal das arme Auto wieder in richtig klebrigem Schlamm festfahren musste.DSC04391Natürlich mitten im Wald, wir waren allein unterwegs und die Sonne schon fast untergegangen… Die Freude war nicht ganz so meinerseits, aber Offroad-Chrissie war wieder voll im Action-Modus. Ich durfte im Auto sitzen bleiben um evtl. vorbeikommende Auto anzuhalten, Chrissie ist los marschiert, um Hilfe zu holen. Wir hatten wirklich unverschämtes Glück: trotz der späten Stunde kamen zwei Aussies vorbei und waren natürlich Feuer und Flamme dafür, uns Touris aus dem Schlamm zu zerren.DSC04400Die beiden hatten sich das ganz easy vorgestellt. Der Schlamm war aber völlig an unserem Auto festgesogen – das erste Auto, mit dem sie’s probiert haben, hat ausser dass es wie ein wilder Bulle rumgehüpft ist gar nichts bewegt.DSC04393Daraufhin sind sie losgezogen, ein stärkeres Auto mit Seilwinde besorgen. Inzwischen war’s also wirklich dunkel und die Rettungsaktion war anfangs auch mit Auto Nummer 2 komplett erfolglos, statt den Idefix aus dem Schlamm zu ziehen, hat sich das andere Auto selbst in den Schlamm gezogen, da Idefix keinen Wank machte.DSC04409Am Ende haben sie ihr Auto an einem Baum festgebunden damit es nicht weiter in den Schlamm gezogen wird, und uns dann mit der Winde in mühseliger Arbeit, kurz bevor die Winde in Rauch aufgegangen ist, rausgezogen. Chrissie fand’s unterhaltsam, die Aussies auch („it’s all part of the fun!!!“) – nur ich hab diesen Teil des Offroad-Spasses irgendwie noch immer nicht ganz begriffen.

Aber sei’s drum, seither musste niemand uns mehr irgendwo befreien!DSC04439

Am Cape York gibt es tolle Landschaften zu sehen. In der Nähe von Somerset konnten wir direkt über Strand und Dünen einen Track fahren, der uns schwer an Hawaii erinnert hat – schwarze Lava, Palmen und dazu ein richtig heftiger Wind.DSC04369DSC04375

DSC04426Vom Tip aus haben wir uns über diverse Beach-Camgrounds wieder in Richtung Süden gearbeitet. Meistens ist man auf diesen Campgrounds zwar nicht völlig allein, es verirren sich aber wirklich nur ein paar eingefleischte Offroader dorthin, ziemlich paradiesisch also.

DSC04430Ein besonderes Erlebnis war es, als eines Abends eine grosse Schildkröte aus dem Meer auf den Strand kam, um dort Eier zu legen. Wir konnten aus allernächster Nähe zuschauen, wie die Schildkröte erst mühsam ein tiefes Loch gegraben hat und dann später Eier dort gelegt und wieder zugeschaufelt hat. Die Schildkröte hat sich durch uns nicht stören lassen und wir sassen ganz still zwei Stunden daneben und haben gestaunt :-)

DSC04435Der sogenannte Frenchman’s Track hat uns 30 Kilometer in ziemlicher Einsamkeit durch den Wald geführt. Feldweg wäre auch hier eher die passende Bezeichnung gewesen… Ein paar Motorradfahrer, die uns unterwegs begegnet sind, haben uns dann den Tipp gegeben, so in etwa 10 Kilometern am blauen Ölfass rechts abzubiegen, das sei eine super Alternativroute mit einer einfacheren Flussdurchquerung. Das sind hier tatsächlich die Wegmarkierungen – die Aussies halten von Schildern jeglicher Art prinzipiell nix, auf den Tracks aber ist so gar nichts beschildert. Orientieren wir uns also am Ölfass! (Hat super geklappt!)DSC04437

„Chili Beach“ ist ein Campground, der direkt an einem wunderschönen Palmenstrand liegt – einfach Hängematte zwischen zwei Palmen hängen und aufs Meer starren, herrlich! DSC04459Dort am Chili Beach haben wir auch Brett und Chloe wieder getroffen, zwei Australier, die mit ihrem perfekt aufgemotzten „Monster“ Land Cruiser durch ihr Land touren und die wir auf dem Old Telegraph Track schon kennengelernt haben – besser bekannt ist Brett übrigens unter dem Namen „Rastaman“, den Chrissie ihm dank seiner Dreadlocks verpasst hat. Inzwischen nennt ihn sogar seine Freundin manchmal so und die Leute oben am Cape auch. Rastaman ist auf jeden Fall ein richtiger Offroad-Profi und Chrissie hat endlich einen qualifizierten Gesprächspartner. Die beiden mussten dann auch direkt am Strand zeigen, was ihre Autos nicht so alles können.DSC04468Man kann das Auto z.B. mitsamt der krähenden Freundin im 30-Grad-Winkel auf einem grossen Stein parken. Auf meine Frage hin, warum wir das genau machen, bekam ich von Chrissie folgende Antwort, die seitdem oft zitiert wird: „because we can“. Aha. Deswegen also!DSC04455Nebenbei haben die beiden Herren auch noch hochprofessionell mit der Axt Kokosnüsse für uns geöffnet und uns dann ganz Gentleman das feine Kokoswasser überlassen.

GOPR0423DSC04480DSC04486Durch den ziemlich langweiligen (ja, wir sind verwöhnt!) Lakefield Nationalpark sind wir dann in der Nähe von Cooktown am wunderschönen Elim Beach gelandet – so nah am Wasser haben wir noch nie gecampt. Und dort in der Hängematte war’s also besonders schön… Und nachts mit dem Geräusch der Wellen einzuschlafen ist unbezahlbar.IMG_4003DSC04512IMG_4016

Offroad-Chrissie hat natürlich auch dort wieder ein paar Tracks gefunden, die unbedingt bezwungen werden wollten. Nur dank seiner Abenteuerlust sind wir auch auf eine Art Klippe gelangt, von der aus wir einen Wahnsinnsblick hatten. Oben auf dem kleinen Plateau zu wenden, war eine andere Story, aber es haben ja alle heil überstanden!DSC04496DSC04500

GOPR0412In Cooktown selbst ist uns dann vor lauter Sturm nachts fast das Dachzelt um die Ohren geflogen – jedenfalls hat es sich so angehört… Dank ein paar Gläsern Wein in der örtlichen Pizzeria haben wir aber doch ein bisschen schlafen können. Am nächsten Morgen sind uns wieder Rastaman und Chloe zufällig begegnet und wir haben uns verabredet den CREB-Track zusammen zu fahren.DSC04526Der ist ähnlich anspruchsvoll wie der Old Telegraph Track, nur liegt der Reiz hier nicht im vielen Wasser, das durchquert werden muss sondern in den enorm steilen Steigungen, die es zu bezwingen gilt.GOPR0448Der Weg führt durch tiefsten Regenwald und auf Serpentinen haben die Aussies grosszügig verzichtet. Wozu auch, wenn man auch einfach schnurgerade den Berg hochfahren kann?

Wir haben insgesamt eineinhalb Tage für die circa 70 Kilometer gebraucht und Idefix ist trotz Untersetzungsgetriebe ziemlich an den Anschlag gekommen, es ist aber immer wieder beeindruckend, welche Steigungen und „Strassen“ mit einem Offroader gefahren werden können, wenn ein Neu-Profi wie Offroad-Chrissie am Steuer ist! Bis auf eine Extremsteigung, die wir dreimal versuchten haben zu bezwingen – und um die es zum Glück eine etwas weniger steile Umfahrung gab – haben Offroad-Chrissie und Idefix das wunderbar zusammen gemeistert. DSC04536Und ich hab es ohne Kreischen geschafft und es sogar manchmal genossen… Vielleicht wird das ja doch noch was mit mir und dem Offroaden!GOPR0462Als wir am anderen Ende wieder aus dem Track raus kamen, stand dort ein fettes Schild „Road Closed“ – hm, blöd nur, wenn man das Schild nur an einem Ende aufstellt… Aber egal, wir sind wunderbar durchgekommen!

GOPR0426GOPR0422Jetzt sind wir im wunderschönen Daintree Nationalpark und geniessen das viele Grün, Palmen, das Meer und auch einen Hauch Zivilisation. Dieser Teil von Australien gefällt uns bisher am allerbesten, weil im Gegensatz zu so vielen anderen Gegenden eben die Farbe Grün eine tragende Rolle spielt und nicht der allgegenwärtige Staub!GOPR0436So, wir müssen dann mal los, Strandspaziergang… ;-) DSC04444

Exklusives Interview: Der Old Telegraph Track am Cape York!

Die letzten 7 Tage haben unsere beiden Protagonisten, Offroad-Chrissie und Julia auf dem legendären Old Telegraph Track (OTT) am Cape York verbracht. Fernweg.ch hat die beiden am Ende dieser anspruchsvollen Tour interviewt. Die ganze Wahrheit über diesen Trip jetzt hier im Exklusivinterview!

Fernweg.ch: Ihr beiden seid gerade den sagenumwobenen OTT gefahren. Wie war’s?

Offroad-Chrissie: Es war der absolute Hammer!!! Ich hab ja seit Jahren davon geträumt, diese Strecke mal selbst zu fahren und jetzt ist es endlich wahr geworden… Ich bin noch ganz geflasht!!DSC05524
Julia: Ich bin hauptsächlich froh, dass es vorbei ist! Also es gab schon ganz hübsche Orte, die wir gesehen haben. Zum Beispiel die Fruit Bat Falls oder die Twin Falls. Aber: insgesamt mussten wir 16 für mein Nervenkostüm schwer auszuhaltende Flüsse durchqueren und ich dachte mehr als einmal, dass es das jetzt dann war mit unserer Reise…

DSC04297

F: Moment, das klingt ja, als hättet ihr zwei verschiedene Touren gemacht! Das müssen wir näher wissen. Christoph, was genau war denn so toll?

O-C: Ja, wo soll ich da anfangen… Der OTT wird nur von wenigen Leuten tatsächlich gefahren, weil es wirklich eine schwierige Strecke ist, die nur per Allradfahrzeug zu bewältigen ist. Und ich hab mich gefreut, jetzt, wo ich mit Idefix schon ganz gut vertraut bin, das selbst zu fahren. Die Strecke führt auf über 100 Kilometern mehr oder weniger einspurig durch den Wald und wurde 1887 angelegt, als die erste Telegrafenleitung ans Cape York gezogen wurde. Es ist wirklich mehr ein Track als im herkömmlichen Sinn eine Strasse.DSC06192
J (mit leicht panischer Stimme): Es ist ein verdammter Feldweg, voll mit Löchern, ausgewaschenen Stellen und praktisch unpassierbar steilen Abhängen und tiefen Flüssen!!!DSC04260_CapeYork
O-C: Ach so ein Quatsch, sie übertreibt masslos… Fakt ist einfach, dass sie die ängstlichste und grundlos panischste Beifahrerin für einen echten Offroader wie mich ist!
(J. funkelt O-C wütend an)
O-C: Also, der Reiz liegt genau da, wo Julia die Probleme sieht. Das Auto muss ziemlich oft durch kleine Flüsse. Manche sind sehr tief, andere eher flach, haben dafür viele tiefe Löcher im steinigen Flussbett, bei anderen muss man richtig steil am Ufer des Flusses runterfahren… Dazu kommt, dass wir ja nicht allein waren.DSC06312
J: Stimmt, zum Glück waren wir insgesamt mit vier Autos unterwegs, eins davon wieder das von Nicky und Roy, ausserdem noch zwei australische Pärchen mit ihren 4×4-Gefährten. Vor allem die anderen Frauen hatten wenigstens Verständnis für mich und haben sich angesichts grauenhaft steiler, löchriger Abhänge und supertiefer Flüsse auch gefragt, wo genau eigentlich der Spassfaktor hier liegt. Ich meine, ein Auto ist kein Boot und auch kein Klettergerät, oder???DSC06224
O-C: Also echt, ich hab doch den Idefix unfallfrei und supereasy überall runter und durch gebracht. Und ein echter 4×4-Instruktor hat mir sogar bestätigt, dass ich’s echt drauf hab mit dem Offroaden!DSC04256_CapeYork

F: Puh, das klingt ja spannend und hat sicher auch auf der Strecke zu einigen Diskussionen geführt, oder?

J: Ja, allerdings. Keine Angst, wir lieben uns immer noch heiss und innig, aber zwischendurch hatte ich also schon Fluchtreflexe. Ich meine, es gibt eine wunderbare, breite und vor allem regelmässig gewartete Strecke hoch zum Cape, warum genau müssen wir dann über diese Rumpelpiste hoppeln und unser Auto aufs Spiel setzen??? Irgendwie fehlt mir glaub das Offroad-Gen.
O-C: Ganz am Anfang, gleich an der ersten Flussüberquerung hat Julia direkt angefangen zu zetern, dass das nicht machbar ist etc. Sie hat dann zwar gesehen, dass es sehr wohl ging, war aber immer noch nicht von meinen Fahrkünsten überzeugt. Im weiteren Verlauf der Strecke wurde sie zwar routinierter im Umgang mit ihrer Panik, hat aber trotzdem vor jedem anspruchsvollen Stück das Gesicht verzogen… Aber sie hat mich immerhin machen lassen!DSC04251_CapeYorkDSC04287

F: Okay, das heisst, am Ende habt ihr alle Flüsse und Wasserlöcher unfallfrei durchquert?DSC04262_CapeYork

O-C: Fast! Den berüchtigten “Gunshot-Creek” hat niemand aus unserer Gruppe gemacht. Wer nicht versteht warum, soll das mal bei YouTube eingeben… Da wurde es mir also auch anders beim Anblick dieser steilen Abfahrt und dem Schlamm unten… Sind wir also aussenrum gefahren. Ja und leider durfte (!) ich auch den letzten Creek – “Nolan’s Brook” – nicht machen. Julia ist da echt geflippt. Sah auf den ersten Blick gar nicht schlimm aus, es hatten uns aber wirklich alle auf der Strecke davor gewarnt!
J: Ja, aus gutem Grund! Dieses Jahr sind bereits 45 Autos dort abgesoffen – Totalschaden!!!
O-C: Jaaaaa, aber die hatten’s ja auch nicht drauf! Ich hätte das easy geschafft!
J: Man muss sich das so vorstellen: Das ist ein Fluss, der an sich sehr harmlos aussieht. Leider ist das fiese Ding aber an einigen Stellen sautief – so etwa bis Brusthöhe!!! – und hat als zusätzliches Feature auch noch ganz weichen Sand am Grund. Es gibt also gleich mehrere Möglichkeiten, sein Auto dort zu versenken, am beliebtesten sind: das Auto fängt an zu Schwimmen oder man fährt sich im Sand fest. Und in beiden Varianten säuft dann im wahrsten Sinne des Wortes irgendwann der Motor ab. Also meistens schweigt er dann für immer…P1070163

F: Uhi, das klingt ja wirklich gefährlich! Und da wolltest du durch, Christoph?

O-C: Klar – man muss nur wissen wie! Reifendruck reduzieren, Motorhaube mit einer Plane schützen und dann schön langsam an genau der richtigen Stelle durchfahren. So wie Roy und Doug aus unserer Gruppe auch!
J: Möglich, aber mir war das Risiko einfach zu gross! Das einzig dumme war, dass wir, weil ich ja da nicht durch wollte, wieder umdrehen mussten und die letzten 4 Flüsse nochmal umgekehrt durchqueren mussten, bis wir auf eine Ausweichstrasse gekommen sind. Zum Glück haben uns zwei eingefleischte australische Offroader begleitet. Denn an zwei Stellen mussten sie uns mit dem Abschleppseil hochziehen, weil wir das allein in dieser Richtung nie geschafft hätten. Und an einer Stelle musste sich der eine von beiden erst mit einer elektrischen Winde selbst an einem Baum hochziehen!!DSC04316IMG_3890DSC04322
O-C: Das war doch voll cool! Also nüchtern betrachtet war der Weg zurück viel schwieriger als einfach durch den letzten Creek durchzufahren gewesen wäre, gell Julia?!?
J: …. hm.
O-C: Das heisst ja.
J: Okay, ja…DSC04325
O-C: Naja, so hatte ich einfach 4 extra Flussüberquerungen, die ich sonst ja nicht gehabt hätte. Auch nicht übel. Wir sind dann aber später zu den anderen gestossen, die am gegenüberliegenden Flussufer schonmal das Camp aufgeschlagen hatten und stehen seither an diesem berühmten letzten Fluss. Und was wir da heute im Lauf des Tages erlebt haben ist also noch die Kirsche auf dem ganzen Abenteuer-Kuchen (strahlt übers ganze Gesicht).DSC04328

F: Habt ihr etwa grössere Dramen miterlebt??

J: Das kann man wohl sagen!
O-C: Also erstmal sind ein paar Offroad-Cracks problemlos durchgekommen und Jules musste zugeben, dass wir das auch easy hätten machen können.
J: … grmpf.
O-C: Aber wir sind auch Zeuge grosser Dummheiten geworden. Also sehr geil war ein winziger Suzuki, der in den Fluss reingefahren ist und dann sofort angefangen hat im Wasser zu treiben. War wohl zu leicht das Ding. Wir konnten ihn aber rüberschubsen. Dummerweise war das Auto aber zu lang mit dem Motor unter Wasser, der Motor ist einfach ausgegangen und am Schluss musste das Auto rausgezogen werden. Inzwischen läuft der Motor wieder, ich konnte meine alten Automechanikerfähigkeiten nochmal einsetzen.P1070168
J: Ein echter Held!
O-C: Dem zweiten Trottel war aber echt nicht mehr zu helfen!
J: Ja, da hab sogar ich vorher gesehen, dass das schief gehen wird. Es war ein Typ mit einem Anhänger (!), der einfach hier angefahren kam, kurz gekuckt hat und dann einfach reingefahren ist. Also nix mit Plane, Reifendruck, Lage peilen…
O-C: Genau, der war einfach zu dämlich! Jedenfalls ist er mitten im Fluss einfach im Sand stecken geblieben und amtlich abgesoffen. Er hatte noch nicht einmal ein Notfallseil parat gemacht, das musste also erst gesucht werden. Und als dann Minuten später endlich jemand sein Auto zur Verfügung gestellt hat um ihn rauszuziehen, sass der Kerl schon bis zum Bauchnabel im Wasser.
J: Und jetzt sitzt er immer noch hier auf dem Campground und trocknet all seine Habseligkeiten. Und ob der Motor je wieder laufen wird, darf also angezweifelt werden…Chrissie hat auch einen recht coolen kleinen Film gemacht über dieses Absauf-Drama. Der ist allerdings für den Besitzer des Autos so peinlich, dass er im Giftschrank bleiben muss. Sorry!

F: Wow, Action!

O-C: Sag ich ja, der Hammer!
J: Sag ich ja, gut isses jetzt vorbei!DSC04352

F: Danke für dieses sehr aufschlussreiche Interview! Auf was dürfen wir uns als nächstes freuen?

J: Auf einen mehrtägigen Shoppingtrip, bei dem Christoph brav mitkommt und klaglos meine Tüten schleppt!
O-C: Ähm… Öhhhh. Also da reden wir aber nochmal drüber…DSC04350

Ferien von den Ferien, gutes Essen und viel Wasser

Wir Camping-Weicheier haben, wie letztes Mal angekündigt, nach knapp zwei Monaten Dachzelt ganz dringend Ferien von den Ferien gebraucht… Zum Glück ist Bali von Darwin nur etwas mehr als zwei Flugstunden entfernt, wir konnten den kleinen Umweg also vor uns selbst grade noch so rechtfertigen. DSC04053_BaliInsgesamt waren wir zehn Tage auf Bali,  5 davon ganz im Süden der Insel (Uluwatu) in einer Villa und 5 davon in der Nähe von Seminyak in einem kleinen Hotel.

Die Villa haben wir ein paar Stunden vor Abflug zufällig im Internet entdeckt und wir hatten extremes Glück. Eine riesige Villa auf zwei Stockwerken mit Pool und Meerblick ganz für uns allein.DSC04052_6_BaliDie meiste Zeit haben wir dann auch erstmal schlafend verbracht, wir mussten uns dringend von unserer eher unterdurchschnittlich ergonomischen Campingmatratze erholen. Und wir haben es uns gut gehen lassen – Sonnenuntergang kucken mit Cocktails und Megablick aufs Meer von einer Klippe aus,DSC04062_BaliDSC04065_Baliein luxuriöser Strandtag in Finn’s Beachclub mit Megawellen (man fährt mit einer Standseilbahn die Klippen hinunter zu einer kleinen versteckten Bucht und lässt sich dann den ganzen Tag bedienen…),DSC04077_3_BaliDSC04077_Bali DSC04079_BaliDSC04090_Balidiversen MassagenDSC04114_Baliund viel, viel gutes Essen.

Zufällig war eine Freundin von Christoph auch auf Bali und hat uns in das peruanische Restaurant ihrer Tochter geschleppt – bestes Essen seit Monaten und das zu balinesischen Schnäppchenpreisen! Leider waren wir derart damit beschäftigt, die Speisekarte rauf und runter zu kosten, dass wir keine Fotos gemacht haben – es sei aber erwähnt, dieser Geheimtipp heisst Olas Warung. Und was in Zürich fehlt ist definitiv ein peruanisches Restaurant!

Mit einem Fahrer haben wir an einem Tag einen Ausflug nach Ubud gemacht – hauptsächlich standen wir allerdings im Stau, da das ehemals beschauliche Ubud inzwischen völlig überlaufen ist.DSC04099_BaliDie Balinesen haben verstanden, dass sich mit fast allem Geld verdienen lässt. Wenn man zum Beispiel ein Tal mit besonders schönen Reisterrassen anschauen möchte, verlangt ein Posten am Strassenrand „Eintritt“…DSC04103_BaliDSC04101_Bali

Die zweite Hälfte der Ferien-Ferien haben wir dann in einem französisch geführten Hotel verbracht. War nach der Villa, die wir ja ganz für uns allein hatten, eine echte Umstellung.  Dafür gab’s Frühstück auf unserer eigenen Terrasse, viele Daybeds zum Relaxen und einen Fahrerservice nach Seminyak.DSC04117_Bali

In diesem Örtchen gibt es zahllose Shops, Cafés und Restaurants, die wir auf fleissig frequentiert haben. DSC04122_BaliDSC04130_BaliVor allem ein Restaurant hatte es uns angetan (Le Bistrot), wir mussten gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden hin um Seezunge und Crème brûlée zu essen. DSC04131_Bali(Komischerweise haben wir seither das Gefühl, dass die Hosen nicht mehr ganz so locker sitzen – unerklärlich!)

Leider war der staubfreie Spass nach 10 Tagen schon wieder vorbei und wir sind seither wieder back on the road. Von Darwin aus ging es für uns innerhalb von 6 Tagen 2‘100 km hauptsächlich über Schotterpisten den Savannah Way entlang bis zum Beginn des Cape York. Australien hat uns die Umstellung aber wieder leicht gemacht.DSC04135_LimmenNPDSC04208_SavannahWay

Erstes Highlight waren die Bitter Springs. DSC04131_1_BitterSpringsDas ist eine warme Quelle mitten in einem Wäldchen, die dann in einem badewannenwarmen Flüsschen 200m an Palmen vorbei führt. Man kann sich einfach mit der sanften Strömung mitziehen lassen. Und wir hatten früh am Morgen auch noch das Glück, dass wir ganz allein dort waren und ausserdem ein Känguru am Ufer seelenruhig gefrühstückt hat. Wir wollten gar nicht mehr raus aus dem glasklaren Wasser!DSC04131_4_BitterSpringsUnd liebes Ex-Team: wie ihr seht, denke ich dank unauffällig bedruckter Wasserbälle ziemlich oft an euch ;-)

Auch im Busch verzichten wir übrigens nicht auf anständiges Essen. Mittags werden hinten auf dem Trittbrett 1a Sandwiches produziert und abends kochen wir im Schein der Kopflämpchen.DSC04131_LimmenNPDSC04135_1_LimmenNPChrissie spart auf diesem Foto übrigens kein Geschirr sondern sorgt einfach nur dafür, dass auch garantiert kein Rest übrig bleibt!

Als nächstes ging es durch den abgelegenen Limmen National Park. Wir waren manchmal stundenlang völlig allein auf der Strasse unterwegs – im Gegensatz zu anderen Gegenden war es hier wirklich einsam und überhaupt nicht überlaufen. So waren wir auch die einzigen, die in den Butterfly Springs mit Hunderten Schmetterlingen gebadet haben, wunderschön!DSC04167_LimmenNPDSC04169_LimmenNP

Auf den ungeteerten Strassen ist vor allem eines im Überfluss vorhanden: Staub! Besonders eindrücklich immer dann zu sehen, wenn ein Roadtrain entgegenkommt und die Strasse in einen undurchdringlichen Nebel taucht. Wir halten inzwischen einfach an, kucken uns das Schauspiel an und warten ab bis der Staub sich wieder legt.DSC04177_2_SavannahWayDSC04181_SavannahWayDSC04172_LimmenNPVon der Einsamkeit und Abgelegenheit profitiert vor allem der Sternenhimmel – wir konnten jeden Abend die Milchstrasse und unglaublich viele Sternschnuppen beobachten. Oft haben wir einfach irgendwo wild gecampt, ein Feuerchen angemacht und den vielen Geräuschen gelauscht, die es im vermeintlichen Nichts so gibt.DSC04188_SavannahWayDSC04223_SavannahWay

Nach einer weiteren Runde Vorrats-Tetris haben wir uns nun auf den Weg in Richtung Cape York gemacht. DSC04225_SavannahWayNoch stehen wir ganz am Anfang, haben aber schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, dass unser Idefix ziemlich oft nasse Füsse bekommen wird.DSC04229_CapeYorkEine Flussüberquerung folgt auf die Nächste. Dort sind aber auch immer tolle Plätze zum Campen.DSC04236_CapeYork

Gestern haben wir auch Nicole, Roy und den kleinen Kevin wieder getroffen und nehmen jetzt gemeinsam die anspruchsvolle Strecke bis ganz zum Cape in Angriff. Hoffentlich müssen uns die anderen nicht wieder aus irgendeiner misslichen Lage „retten“…

Das Funkloch wird uns vermutlich demnächst wieder verschlingen, bis bald also!                            DSC04244_CapeYork